Invasion


Hallo? …

Hallo, kann mich … kann mich irgendjemand hören? …

Wenn da draußen jemand ist, der das hören kann … ich bin hier, ich meine, hier ist noch jemand. Jemand, ein … ein Mensch. Ich bin da. Ich kann nicht, … ich meine, ich sage besser nicht, wo ich mich aufhalte … Sie sind überall. Deshalb. Deshalb sage ich es nicht, aber … Wenn das hier seltsam klingt, also, ich meine, es kann ja niemand hören, aber empfangen irgendwie, das Internet geht ja noch, natürlich, aber infiltriert bestimmt, unter ihrer Kontrolle, das steht fest, das ist sonnenklar, … aber lesen kann man mich, denn ich schreibe ja, folglich bin ich da, ich schreibe, und wenn das jemand lesen kann, muss dieser … Mensch … auch da sein, irgendwo … vielleicht, ich hoffe es so sehr! Vielleicht können wir Kontakt aufnehmen, ganz vorsichtig, vielleicht gibt es ja da draußen noch mehr … Menschen. Wir werden uns erkennen. Es ist riskant, aber es geht, wir erkennen uns. Ich habe herausgefunden, wie man sie identifizieren kann! Es liegt offen, schon so lange. Es sind die … nein, ich darf nicht zu viel verraten, nur ein Beispiel, ein einzelnes Beispiel: In mehrgliedrigen Sätzen ordnen sie Objekte über falsch konjugierte Verben den falschen Subjekten zu bzw. umgekehrt, andauernd! Am laufenden Band! Weil sie nicht kapieren, wie das eigentlich geht! Das können sie nicht, das kriegen sie einfach nicht hin! Das ist ein Unterscheidungsmerkmal, jedenfalls bis jetzt. Sie klingen, als sprächen sie unsere Sprache, aber sie tun nur so, sie simulieren uns bloß!    Es gibt noch andere Merkmale, aber ich verrate sie nicht, damit sie es nicht ändern. Wenn sie wissen, dass sie daran zu erkennen sind, stellen sie es vielleicht ab, aber nur, damit sie uns auch noch kriegen. Um auch noch die Letzten von uns zu täuschen, vollkommen in die Irre zu führen, um die Wenigen, die von uns übrig sind, aus ihren Verstecken zu locken und dann … Das dürfen wir nicht zulassen. Ich sage ja nichts Neues, aber wann ging es los, wann haben sie mit ihrer Unterwanderung begonnen? Ich fühle mich so einsam, so schrecklich einsam! In meiner Schulzeit, in den Siebzigern und Achtzigern, da waren sie noch nicht hier, jedenfalls hat man ihren Einfluss nicht bemerkt, vielleicht warteten sie unter der Erde, am Meeresboden oder auf dem Saturn. Hatten ihre Körperkapseln irgendwo vergraben. Aber irgendwann danach müssen sie Fuß gefasst haben. Anfangs haben sich die Menschen noch getraut, sie bloßzustellen, sie fielen auf, weil sie ihre Simulationen noch nicht so gut drauf hatten, aber wirklich erkannt wurden sie nicht, und sie haben gelernt. Sie haben uns ersetzt, mehr und mehr, mit Replikanten aus diesen Kapseln bestimmt oder anderem Science-Fiction-Zeug, sie haben die Schaltstellen eingenommen, die Massenmedien, sind eingesickert, mehr und mehr, und wir … wir haben es geschehen lassen, wir haben es gar nicht gemerkt, wie immer mehr von uns ersetzt wurden, wie uns die „Felle davonschwammen“, um eine alte Redewendung aufzugreifen. Es waren die Gerber längst vergangener Jahrhunderte, die ihre Felle im Fluss wuschen, und wenn ihnen eines davon schwamm, das war natürlich kostbar, so ein Fell, dann war es dahin, für immer, ein herber Verlust. Das können die nicht wissen, oder? Wir müssen aufpassen, dürfen nicht so viel verraten. Wir müssen genau sein, genau zuhören, damit können wir uns erkennen, so können wir uns unterscheiden, uns irgendwie durchbringen, was meint Ihr? Hallo? … Ich warte hier, ich bleibe da, OK? Ich melde mich wieder. Ich möchte schlafen, endlich wieder schlafen …

Hallo? …

Hallo?

Advertisements

2 Gedanken zu “Invasion

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s