UP! (Too big to fail)


Neulich stolperte ich beim Surfen im Netz auf einen Bericht über den neuen VW Up!, der in Kürze auf den Markt kommt. Leider musste ich beim Lesen dann feststellen, dass ich wohl auf die Website einer kleinen Lokalzeitung oder eines Anzeigenblättchens geraten war, denn der Artikel hatte doch eine Menge stilistischer und sprachlicher Mängel – besser gesagt: da drin war ein Eigentor nach dem anderen. Was ich mit „Eigentoren“ meine? Bitte, ich zitiere aus dem „Up!“-Artikel:

Hergestellt wird der Viersitzer allerdings nicht in der deutschen Zentrale, sondern in Bratislava, wo er sich zusammen mit Touareg, Audi Q7 und Porsche Cayenne die Fertigungshallen teilt.

Klassischer Amateurfehler. Der Viersitzer teilt sich die Halle mit dem Touareg, dem Q7 und dem Cayenne, aber natürlich nicht zusammen mit ihnen. Das hieße nämlich: die Vier Kumpel setzen sich mal nett zusammen hin und teilen eine Halle mit einer Schere oder einem Laserschwert in mehrere Stücke – Susch! Susch! Schisch! Solche Unsicherheiten verzeiht man, aber eben doch nur in Lokalredaktionen! Weiter:  

Dem 3,2 kg Gas/100 km verbrauchenden Up wird sich noch eine BlueMotion-Variante hinzugesellen, welcher mit einem CO2-Ausstoß von 79 g/km eine ordentliche Duftmarke im Kleinstwagensegment setzt.

Entdeckt! Wie ich schon im Beitrag „Invasion“ aufgedeckt habe, ist die Zuordnung des falschen Subjekts in einem Gliedsatz mittels eines falsch konjugierten Verbs ein sicheres Anzeichen dafür, dass der Schreiber ein Außerirdischer, ist – die können das einfach nicht. Natürlich muss es heißen: „… welche mit einem …“, denn es handelt sich ja um die Variante, welche die Duftmarke setzen wird, nicht der schon vorhandene Wagen. Dies ist bei im Schreiben ungeübten Amateuren durchaus häufig, leider. Aber wozu gibt es schließlich ein Journalismus-Studium, das uns vor solchen Hilflosigkeiten bewahrt. Nächster, nicht letzter, Fehler:

So leicht das Einparken mit dem nur 1,64 Meter schmalen Up ist, so schwierig gestaltet sich das Aussteigen. Nicht, weil der Sitz zu tief oder der Fahrer zu unbeholfen ist, sondern, weil die Tür im Vergleich zum Rest des Autos gewaltige Ausmaße annimmt und nahezu bis zu 90 Grad aufschwingen kann.

Da hat der/die Autor/in offensichtlich etwas falsch formuliert oder uns eine erhellende Information verschwiegen. Weil die Tür sehr weit aufschwingt, kommt man aus dem Up! schwer raus? Ach je … Aber das war noch immer nicht der letzte Stolperstein im Text!

Positiv überrascht ist die 3xBlinkenfunktion beim Betätigen des Blinkers und der leichte Einstieg in die zweite Reihe durch ein schnelles Zurückgleiten des Vordersitzes.

Das ist nun wirklich putzig! Die 3xBlinkenfunktion ist überrascht, und auch noch positiv! Da hat der Up! aber Glück, denn normalerweise sind 3xBlinkenfunktionen extrem kritisch und nur ganz schwer positiv zu beeindrucken! Auch der gefürchtete leichte Einstieg versteht keinen Spaß, wenn der Vordersitz nicht blitzschnell zurück gleitet! Außerirdische … Es geht aber noch immer weiter:

Gleichzeitig verfügt das PID (portable infotainment system) über alle wichtigen Fahrzeuginformationen wie Spritverbrauch und Abstandsregelung beim Einparken.

Schön, wenn das PID über diese ganzen Informationen verfügt. Aber ist es auch in der Lage, diese mit uns zu teilen? Darüber schweigt der Schreiber leider. Weiter:

Denn allein der Aufpreis von ca. 600 Euro für die stärkere PS-Variante sprengt bereits die 10.000er-Schallmauer.

Tja, der Umgang mit – wie nennt man das: Redensarten? – will auch in Lokalblättchen gelernt sein, sonst geht er in die Trainingshose: noch nie wurde eine Schallmauer gesprengt – die wird höchstens lautstark durchbrochen, Aber immer weiter:

Und die Tatsache, dass der up1 in den drei Versionen take up!, move up! und high up! sowie zwei weiter veredelten Versionen up! black und up! white erscheint, untermauert nur diese Spekulation.

Kaum hat er/sie sich den Kopf an der Schallmauer eingerannt, muss das arme, geschundene Wörtlein schon wieder ran, da wird nämlich gleich untermauert. Abgesehen davon, dass eine Spekulation seltener untermauert als genährt oder bestätigt wird, muss man mit Mauern wirklich nicht um sich werfen, einmal Mauer reicht völlig. Glücklicherweise war es das dann auch, der Artikel erreichte endlich seinen Schluss. OK, ich hatte etwas über den Up! erfahren, aber um welchen Preis! Diese Leute machen sich keinen Begriff davon, wie sehr sie den Konsum von Magen-, oder Kopfschmerztabletten in die Höhe treiben. Aber geschenkt. Ich hätte ja nicht auf die Website dieser Lokalpostille surfen müssen, mein Fehler!

Moment … ich sehe gerade, das war ja gar kein lokales Anzeigenblättchen …. das war … STERN online. OU! Was für eine Verwechslung! Mein Fehler! Das tut mir jetzt echt leid … ich habe doch tatsächlich Deutschlands vermutlich größtes Publikumsmagazin mit einem piefigen Lokalblättchen verwechselt! Der STERN würde so ein Geschreibsel doch niemals rausgeben! Scheiße, ist mir das peinlich, aber so was von!

Bis zum nächsten unschönen Anlass, Ihr M. Wäser

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2 Gedanken zu “UP! (Too big to fail)

  1. Leovinus 5. September 2011 / 12:21

    Danke, Michael für diesen erhellenden Artikel. Aber noch eine Frage: Was sind denn, bitte schön, „nahezu bis zu“ 90 Grad? Ich denke, es sind entweder nahezu 90 Grad oder bis zu …. (meinetwegen) 88,5 Grad. Ich denke, da hat derdiedas Autor/in ein wenig bisschen übertrieben.

    Beim Überfliegen des Original-Artikels fand ich noch noch dieses:
    „Besonders schade für Fahrer mit kurzen Armen ist die fehlenden (sic!) Bedienbarkeit des Beifahrerfensters.“
    Hm – wenn die „Bedienbarkeit“ des Beifahrerfensters fehlt (was an sich schon merkwürdig klingt), haben wohl auch Fahrer mit sehr langen Armen Probleme. Von Beifahrern und Menschen ohne Probleme mit dem Nominativ mal abgesehen.

    • Michael Wäser 5. September 2011 / 12:41

      Danke für den äußerst konstruktiven Beitrag! Er hat mich auf eine Idee gebracht, um nicht zu sagen die vermutliche Antwort auf die Frage „WTF?!?“ Ich glaube, es handelt sich bei dem Artikel gar nicht um einen deutschen Originaltext, sondern um eine maschinelle (computergestützt-automatische) Übersetzung aus einer anderen Sprache. Das ist die naheliegendste Lösung, und die ist, nach einer alten, wissenschaftlichen Regel IMMER richtig. Um den Effekt einer Computer-Übersetzung zu genießen, werfe man einen Blick in beliebige Bedienungsanleitungen nichtdeutscher Geräte oder Software oder auf die mit diesem Text angefertigte google-Übersetzung (Deutsch > Englisch > Deutsch):

      Vielen Dank für den sehr konstruktiven Beitrag! Er hat mich auf eine Idee gebracht, nicht die wahrscheinliche Antwort auf die Frage zu erwähnen „WTF?“ Ich denke, dass es in dem Artikel ist nicht über einen deutschen Original, sondern eine Maschine (Computer-Aided automatische) Übersetzung aus einer anderen Sprache. Das ist die Lösung eng gelegen, und das ist wahr, eine alte wissenschaftliche immer ausschließen. Um die Wirkung von einem Computer-Übersetzung genießen, wie das Werfen einen Blick in alle Handbücher oder Software oder anderen Geräten als dem Text mit diesem Google-Übersetzung (Deutsch> Englisch> Deutsch) Deutsch-made:

      Das kommt der sprachlichen Qualität des STERN-Berichts doch schon recht nahe, oder?

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