Ein besonderer Tag


Also, gestern war ein wirklich außergewöhnlicher Tag. Dieser Blog, kaum zwei Wochen alt, wurde von so vielen Menschen angesteuert wie noch nie. Das freut das Bloggerherz natürlich, und den Vorschlag einer der neuen Freundinnen des hiesigen Wutlesertums, dass doch nicht nur der Blog-Betreiber, sondern alle Interessierten neue Themen im Blog eröffnen können sollten, wurde schon allein deshalb ernsthaft in Erwägung gezogen, um die nun plötzlich möglich erscheinende Masse der Beteiligung bewältigen zu können, sogar die Ausbildung einer zweiten oder weiterer Persönlichkeiten bei mir selbst kam in Betracht, weil diese Maßnahme ein flexibles Reagieren deutlich erleichtern würde 😉  Nun, vorerst bleibt es bei der geltenden Regelung, denn der junge Blog soll sich erst einmal festigen und etablieren und ist ja im Grunde auch nicht als basisdemokratisches Forum für die sprachgequälten Massen angelegt, sondern als intellektuelle Speerspitze im heroischen Kampf gegen die linguistische Verrohung. Aber man soll ja im Internet nie „Nie“ sagen.

Dann sag’s doch einfach nicht.

Wie bitte?

Du hast „Nie“ gesagt, obwohl du es nicht sagen wolltest. Das ist inkonsequent.  

Entschuldigung, kennen wir uns?

Na ja, „kennen“ ist ein großes Wort. Sagen wir mal, wir lernen uns gerade kennen. Notgedrungen.

Und wen, bitte, lerne ich hier gerade „notgedrungen“ kennen? Bis eben war ich noch allein vor meinem Laptop! Und sehen kann ich auch niemanden. Jetzt aber schreibt jemand in meinen eigenen Text rein!

Sich dumm stellen ist nicht gerade eine originelle Taktik.

Also was nun? Kriege ich vielleicht eine Antwort?

Du hattest eben Erfolg damit.

Erfolg? Womit? Und warum duzen Sie mich so frech?

Erstens: Erfolg mit der Ausbildung weiterer Persönlichkeiten, die du eben so süffisant aufs Tapet gebracht hast. Und damit erübrigt sich ja wohl die Antwort auf deine zweite Frage.

Weitere Persönlichkeit? Ich bin gespalten? Sie, … ich meine du bist – nein, Sie sind ich?

Was man so „ich“ nennt…  Aber mal ehrlich. Du spielst dich auf, gefällst dir als „Speerspitze im heroischen Kampf gegen die linguistische Verrohung“. Da soll man sich nicht abspalten und lieber sein eigenes Ding machen?

Das war ironisch gemeint! Selbstironisch!

Schon klar. Du verfügst über eine gesunde Distanz zu deiner eigenen Selbstüberschätzung. Sieht man ja an mir. Echt gesund, so eine zweite Persönlichkeit. Und du kennst Nummer drei bis acht noch nicht mal. Die sind erst gesund!

Drei bis acht? Lüge! Zu Ihnen würde ich sehr gerne Distanz haben, und zwar eine möglichst große!

Nur zu. Versuchs doch einfach.

Ich wollte mich nicht mit aufdringlichen, abgespaltenen Persönlichkeiten rumstreiten! Ich wollte auf den zweiten Vorschlag der Leserin eingehen.

OK, was denn für ein Vorschlag?

Ein Themenvorschlag.

Jetzt hab dich nicht so. War doch nur ein Witz. Ich bin deine einzige zweite Persönlichkeit. Bis jetzt jedenfalls!

Außer Witze machen scheinen Sie aber nichts drauf zu haben!

In Deutschland ist das schon so was wie ein Alleinstellungsmerkmal.

Ich könnte Ihnen ja jetzt den feinen, aber bedeutsamen Unterschied zwischen „Humor“ und „Witze machen“ erklären, aber auch das hatte ich heute Morgen eigentlich nicht vor! Eigentlich wollte ich …

Was war das für ein Vorschlag?

Vorschlag?

Na, der Vorschlag der Leserin, auf den du eben noch so wahnsinnig dringend eingehen wolltest.

Ach, der Vorschlag.

Ja, der.

Sie bat mich, mir den Werbeslogan eines Berliner Radiosender vorzunehmen.

Aha. Der Slogan ist amateurhaft ungeschickt, unfreiwillig falsch formuliert oder voller orthografischer, grammatikalischer oder stilistischer Fehler, die eigentlich jemand hätte korrigieren müssen, bevor er veröffentlicht wurde?

Äh … jetzt bin ich etwas sprachlos.

Sprachlos, du? Das fällt wohl doch in die Kategorie „Witz“!

Ich meine, dass Sie es auf den Punkt gebracht haben. Das war jetzt doch überraschend, irgendwie.

Hättest du mir nicht zugetraut, wolltest du sagen.

Eigentlich nicht, nein.

Man lernt eben nie aus. Was ist das für ein Slogan?

„94,3 rs2 – Berlins meiste Musik mit Kulthits und dem Besten von heute!“

Aua!

Niederschmetternd, nicht?

Ein Fall für die Menschenrechtskommission.

„Berlins meiste Musik“ – wie doof kann man denn sein?

Aber die sind mit voller Absicht doof, damit wir diesen saublöden Spruch nicht mehr aus dem Hirn kriegen.

Also eigentlich schlau.

Schlau, aber doof.

Und unappetitlich. Sprachlich gesehen. Generell ist ja gegen kreativen Sprachgebrauch nichts einzuwenden, er erfrischt und bringt neue Impulse, die Schriftsteller und Poeten machen das schon seit Homer …

Bleib auf dem Teppich, mein Freund.

Du meinst, wir können Freunde sein? Da muss ich fast weinen.

Kein Problem. Auch ein Mann darf seine Gefühle zeigen. Vor wem, wenn nicht vor seiner zweiten Persönlichkeit?

Danke, das ist wirklich sehr lieb von dir.

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