Schweine und n-tv.de

„Teure Nahrung

Schweine bereiten Peking Sorgen“ (n-tv.de am 17.09.2011)

Seid Ihr noch ganz dicht, n-tv? Da klickt man sich am Samstagmorgen, gemütlich einen Kaffee schlürfend, durch die elektrischen Gazetten, denkt an nichts Böses (OK, dass Berlusconi unsere Regierungschefin einen „unpackbaren Hintern“ genannt haben soll, was nicht wörtlich, sondern metaphorisch gemeint ist und anscheinend bedeutet, dass er mit ihr niemals Sex haben will/kann/darf, ist insofern schockierend, als die Vorstellung, dieser Mann könne mit überhaupt jemandem oder etwas Sex haben, einem das bereits genossene Frühstück meterweit ins Wohnzimmer befördert.) Aber dann muss man diese Schlagzeile lesen: „Schweine bereiten Peking Sorgen“, und das Blut gefriert einem augenblicklich in den Adern. Man späht durchs Fenster in den Himmel, ob der sich vielleicht schon von aus östlicher Richtung anfliegenden Bomberstaffeln oder Interkontinentalraketen verdüstert – wieder einmal, schließlich lebt man in Berlin – und atmet, fürs erste, auf, denn dort sind nur ein paar Wolken zu sehen.    Ja, wisst ihr denn nicht, dass der Chinese keinen Spaß versteht? Schon gar nicht in diesen Zeiten? Dass man die Hand, die einen füttert, nicht beißt? Da wedelt die chinesische Regierung gerade mit Geldbündeln so groß wie der Himalaya vor unserer Nase herum, und ihr werft mit Zweideutigkeiten um euch, als stünde unser Land, unsere Ökonomie, ja, die ganze westliche Hemisphäre nicht schwankend an der Kante zum tiefsten wirtschaftlichen Abgrund seit Jahrhunderten? Seid ihr irre? Welche für chinesische Regierungen nicht-beleidigende Bedeutung soll denn so eine Schlagzeile bitteschön haben? Mir fällt keine ein! Jede, aber wirklich JEDE mögliche Auslegung kann für die Beziehungen unserer waidwunden West-World (sorry für die Alliteration) zur neuen Weltmacht China nur ernste bis desaströse Folgen haben! (Dass es in dem dann folgenden Artikel anders aussieht, ist Nebensache – der erste Eindruck zählt, und der läuft über die Headline! Dafür wurden die erfunden!) Wir scheuen uns nicht, müssen dieses Spiel mit dem Feuer in Einzelheiten darstellen, dann lassen sich vielleicht Wiedergutmachungsstrategien entwickeln, bevor es zum Schlimmsten kommt.

  1. Die oberflächlich unverfänglichste Deutung wäre, dass die Stadt Peking unangenehmerweise von Horden freilaufender Schweine heimgesucht wird. So etwas kennt man z.B. in Berlin seit Jahren, hier überfallen Wildschweinrudel bürgerliche Wohnviertel und verwandeln sie in Schlammlöcher. Aber doch nicht in Peking! Hauptstadt des Kommunismus! So etwas darf man nicht mal DENKEN!
  2. Die nächste Möglichkeit, von der Oberzeile „Teure Nahrung“ nahegelegt, würde schon direkt in handfeste politische Konflikte hineinführen, nämlich, dass die Versorgung in Peking oder gar in ganz China problematisch oder zumindest für Normalverdiener unerschwinglich geworden ist. SO ETWAS WOLLT IHR DER CHINESISCHEN REGIERUNG ÖFFENTLICH ANHÄNGEN? Dann kauft ihr in Zukunft selbst die Millionen deutscher Luxusschlitten, mit denen die chinesischen Bonzen – ich meine natürlich Funktionäre und Manager – die Straßen der chinesischen Megastädte verstopfen? Ja? macht ihr das? Die Chinesen machen es nämlich nicht mehr, wenn sie so was lesen müssen! Die kaufen dann sonst wo ein oder bauen die Dinger gleich selbst!
  3. Die letzten beiden Interpretationsmöglichkeiten liegen auf eher übertragenen Ebenen, aber ihre Brisanz bzw. ihr katastrophales Potenzial ist um so gewaltiger. Ist mit „Peking“, wie es in Nachrichten oft geschieht, die chinesische Staatsregierung gemeint, dann kann der Satz nur bedeuten, dass diese Regierung Sorgen hat! Ich kann vor Fassungslosigkeit kaum noch tippen! Und Sorgen weswegen? Oder wegen wem? Völlig egal! Ob es sich dabei um Nutztiere oder Regimekritiker handelt, spielt – wir sprechen hier von China – nun wirklich keine Rolle! Es gibt sie nicht! Jedenfalls keine, die irgendwie geartete Schwierigkeiten machen!
  4. Jetzt wird es wirklich heikel. Nimmt man nämlich „Peking“ wörtlich, meint damit also wirklich nur die Stadt und ihre Bewohner, und unterstellt stattdessen dem Wort „Schweine“ eine subversive Bedeutung – die es sprachhistorisch schon lange hat! – dann würde diese Überschrift behaupten, dass die Pekinger/Chinesen ihre eigene Regierung für Schweine … Nein. Das ist der Gipfel. Der Abgrund. Das bedeutet Krieg. Wie zum Henker sollen die chinesischen Staatsführer da noch irgendetwas „wohlwollend umdeuten“? Da kommen wir nicht wieder raus, n-tv! Das war’s. Wir sind geliefert. Finito. Ciao!

Hättet ihr doch besser geschrieben, Frau Merkel wolle oder könne mit der chinesischen Regierung keinen Sex haben. Dann könnten wir, abgesehen von ein paar Gefeuerten bei n-tv, wenigstens in Frieden weiterleben, ohne zu hungern.

Bis zum nächsten unschönen Anlass, Ihr M. Wäser

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