Irgendwas fehlt …

BerlinerZeitung.de, 7.10.2011:
„EZB: Trichet tritt ab
Mit französischer Eleganz
Nach acht Jahren tritt Jean-Claude Trichet als Chef der Europäischen Zentralbank ab. In der Krise traf er ungewöhnliche Maßnahmen, die ihm harte Kritik einbrachte.“

Boooa, soll ich wirklich darüber schreiben? Das ist so was von … boooa, öde! „ … traf er ungewöhnliche Maßnahmen, die ihm harte Kritik einbrachte.“ Da kommt man sich ja vor wie der letzte Korinthenkacker, wenn man da mit dem Finger draufzeigt und wie ein beleidigtes Schulkind rumnölt: „Da fehlt aber ein N, Ihr Spacken!“ Und zur Erklärung, damit es auch wirklich alle in der betreffenden Fraktion kapieren: „Das Verb bezieht sich auf Maßnahmen, und die stehen im Plural, also muss auch das Verb an den Plural angepasst werden, Ihr Spacken!“ Oh wie öde ist das. Dieses Zeug lernt man in der Grundschule! Gesprochen hat man es schon vorher, mit drei, spätestens vier Jahren drin! Und dann hockt man vor einem Computerbildschirm, will sich über die Lage in der Welt informieren, und die Zähne möchten einem ausfallen, weil die BerlinerZeitung.de das nicht auf die Reihe kriegt.    „Mit französischer Eleganz“ steht da oben drüber. Gemeint ist natürlich nicht diese glanz- und stillos versemmelte Zeile darunter. Gemeint ist der französische Chef der Europäischen Zentralbank, der wahrscheinlich besser schreiben kann als die BerlinerZeitung.de am 7. Oktober 2011. Das dürfte man doch immerhin erwarten von einem Menschen, der so eine gewaltige Verantwortung trägt. So jemand dürfte doch eigentlich nicht auf so einen Posten gelangen, wenn er nicht mal ein Verb in den korrekten Numerus bringen kann. Würden Sie so jemandem Ihre 850 Milliarden Euro anvertrauen? Rein spekulativ? Also, ich nicht! Stellen Sie sich das mal vor: Da kommen die Lenker der Welt und der Wirtschaft zusammen, um uns alle vor dem Abgrund zu bewahren und eine Vereinbarung zu unterzeichnen, die die Welt rettet – d.h.,. die Welt wäre verloren, wenn diese Vereinbarung NICHT unterzeichnet würde – und der Chef der Europäischen Zentralbank in Frankfurt fummelt umständlich einen Pelikan-Grundschul-Schreiblern-Schulfüller raus, kaut angestrengt auf seiner Zunge und krakelt, minutenlang und immer wieder absetzend und von Neuem beginnend, wie ein ABC-Schütze mit der Nase fast auf dem Papier seinen Namen FALSCH unter den Multi-Billionen-Euro-Vertrag! Wie würden Sie sich dann fühlen? Gerettet? Na aber hallo! Da würde nicht mal der Applaus helfen, der anschließend im Elyséepalast den Saal erfüllen würde, denn man würde ja denken, die klatschen jetzt alle nur, weil der kleine Trichet es geschafft hat, nur zwei kliiiitzekleine Fehler in seinem Namen zu kritzeln, nur ein einziges Loch ins Papier zu reißen und den völlig zerkauten Tintenkiller tatsächlich in seinem Schlumpf-Schreibmäppchen zu lassen, und nicht vorher heulend wegzulaufen oder sich unterm Tisch zu verstecken, weil er sich sonst immer so schämt! Na, das hätte ja immerhin noch so was wie Nachrichten – oder Unterhaltungswert, wenn man wenigstens um sein Überleben fürchten müsste. Aber nicht mal das schafft die BerlinerZeitung.de.

Bis zum nächsten unschönen Anlass, Ihr M. Wäser

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