Die Geschichte vom kleinen Drehbuh auf dem Schlampenstern


stern.de, 12.10.2011, 09.05 Uhr
USA warnen vor Terrorangriffen
„… Auch wenn sich der Plan wie ein Drehbuh für einen Hollywoodfilm liest, wären die Folgen sehr real gewesen und viele Menschen hätten ihr Leben verloren“, sagte FBI-Direktor Robert Mueller.“

Ein kleiner Drehbuh ging einmal hinaus in die Welt und wollte etwas anderes beginnen, als tagein, tagaus in Hollywoodfilmen aufzutreten. Das konnte man ihm schwerlich verübeln, denn der Drehbuh hatte ein gar eintöniges Leben! Von morgens bis abends, und nicht selten auch des Nachts, musste er in Filme aus dem großen und mächtigen Land Amerika hinein und braven oder bösen, kleinen oder großen, dummen oder schlauen Leute einen Schrecken einjagen. Wie der Drehbuh das machte, das kannst Du Dir sicher selbst denken, denn warum hieß der arme Drehbuh wohl Drehbuh? Doch auch wenn niemand im ganzen Land das, was der kleine Drehbuh konnte, ebenso gut oder sogar besser konnte, wurde es ihm bald sehr fad, unentwegt nur das Immergleiche zu tun. Es musste doch etwas Besseres für ihn geben, das fühlte er schon, seit er auf der Welt war. Aber wann war das eigentlich gewesen?

Als er nun so hinausging in die Welt, da kam er auf einen Hügel, wo eine Reisehineise wohnte. Die sah ihn an, dachte sich ihr Teil und sagte nun zu dem Drehbuh: „Du willst etwas Besseres für dich?“ „Aber ja!“, rief der Drehbuh. „Dann komm mit!“, sprach die Reisehineise und führte ihn zu einer Rakete, die war voll mit Explosin. Damit schoss sie ihn weit in den Himmel, bis er auf dem fernen Schlampenstern landete. Kaum war der Drehbuh ausgestiegen, erfüllte ihn das Gefühl, ein Zuhause für sich gefunden zu haben: Fremdartige Bäume waren verhängt mit leckeren Sanktinen, Vorürfe hoppelten um die Rakete herum und riefen dem Drehbuh zu, er solle rasch zum Auenamt fliegen, denn dort würde jeder Neuankömmling sein Blugeld bekommen. „Aber wie fliege ich dorthin, meine Rakete fliegt nicht mehr!“, fragte der Drehbuh. „Dort steigst du auf den Kompott, der bringt dich hin!“, riefen die Vorürfe. Und tatsächlich, kaum hatte der Drehbuh seinen Fuß auf den Kompott gesetzt, flog dieser auf und sauste mit ihm durch die Luft bis zum Auenamt. Dort erwarteten ihn schon die Diplomten mit einem dicken Bündel Blugeld. „Das wirst du brauchen, wenn die Dogenfahnder kommen und eine Rektion von dir verlangen“, sprachen sie. „Die Dogenfahnder?“, wollte der Drehbuh wissen. „Sie gehören alle zum Dogenkartell und wollen mit dem Blugeld eine eigene Dogenbehörde aufbauen, welche sie beinahe allmächtig machen würde, aber wir können sie nicht daran hindern.“ Das ärgerte den kleinen Drehbuh sehr. Sah doch der Schlampenstern so schön, bunt und friedlich aus! Besonders ein kleines Dörflein, welche er mit der Rakete überflogen hatte, gefiel ihm. Die Diplomten verrieten ihm, das Dorf hieße Mexio und sein Bürgermeister Obma. „Dort will ich wohnen!“, sprach der Drehbuh und machte sich mit dem Kompott auf den Weg nach Mexio. Er war noch nicht halb da, als ihn plötzlich lauter Dogenfahnder umringten. Auf ihren schnellen Teleonaten schwirrten sie um ihn herum und brachten ihn beinahe zu Fall. Dann sammelten sie sich alle vor ihm und wollten sein Blugeld haben, wenn er ihnen keine Rektion geben wolle. Doch der Drehbuh wusste schon, was er tun wollte, und er wusste, dass er ihnen weder eine Rektion noch sein Blugeld geben wollte. Also tat er das, was er sein ganzes Leben geübt hatte, und es kam ihm so vor, als habe er es nur für diesen einen Augenblick geübt – nämlich das, was er besser konnte als jeder andere auf der Welt. Da bekamen alle Dogenfahnder einen solchen Schreck, dass sie Reißaus nahmen und nie mehr wieder gesehen wurden auf dem Schlampenstern. Der Drehbuh hatte sein neues Zuhause von der Plage befreit! Fröhlich flog er auf dem Kompott weiter, bis er in Mexio ankam, wo Bürgermeister Obma ihn mit militärischen Ehren begrüßte und ihn als seinen verlorenen Sohn erkannte, der vor langer Zeit von Filmproduzenten aus Hollywood auf ihren Planeten entführt worden war. Nun wusste der kleine Drehbuh endlich, warum er sich auf der Erde nie, auf dem Schlampenstern aber sofort zu Hause gefühlt hatte! Er kaufte sich von dem Blugeld ein schönes Haus, betätigte sich von nun an als Denker, schloss sich dem Errorismus an, einer philosophischen Schule, die es anstrebt, sich beständig und umfassend zu irren, und wurde bald zu seinem erfolgreichsten Vertreter auf dem ganzen Schlampenstern. Und wenn er nicht gestorben ist, dann irrt er sich noch heute.

Bis zum nächsten unschönen Anlass, Ihr M. Wäser

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