Trump: Invasion of the Body Snatchers

Immer wieder wundern wir uns über die Abstrusitäten, mit denen Trump und seine „Bewegung“ die Welt konfrontieren, übersehen dabei jedoch, was es damit wirklich auf sich hat. Bis wir genauso sind wie sie.

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Tea Party & co

Die sogenannte „Tea-Party“ ist nicht einfach eine politische Strömung der republikanischen Partei, sie ist eine Sekte. Sie bereitete den traditionellen, „vernünftigen“ Republikanern von Anfang an Bauchschmerzen, weil sie nicht nur extreme, sondern irrationale, unsinnige Forderungen und Positionen vertrat. Doch wurde sie „unerklärlicherweise“ immer stärker, und nun hat sie zusammen mit alt right, der nationalistisch-extremistischen Rechten, fürs erste sogar die Macht übernommen. Ein Anführer von außen hat die Tea Party, alt right, fundamentalistische Strömungen und faktisch auch gleich die ganze, alte republikanische Partei an sich gerissen, sich an ihre Spitze gestellt, und nun hat die Sekte einen Sektenführer.

Ein Mann mit Bedürfnissen

Wie jeder Sektenführer ist er ein ausgesprochener Narziss, eine höchst labile Persönlichkeit, ein Mensch ohne wirkliches Selbstbewusstsein (und deshalb maßlos). Die Rolle des Sektenführers hat er noch nicht ganz und gar angenommen, sie ist wohl eher eine Begleiterscheinung auf seinem Weg zur Selbsterhöhung – was sie für andere Sektenführer allerdings auch ist. Doch ihm scheint es nicht auf möglichst viele Anhänger anzukommen, sondern auf Ruhm, Bewunderung, Glorie – um die unendliche Aufblähung seines Selbst. Wie jeder Sektenführer ist er dabei berechnend, verschlagen geradezu, wenn auch nicht intelligent, sondern instinktreich. Sein Vorgehen ist dabei von Rohheit geprägt, nicht von Finesse, was seinem Charakter und seinen intellektuellen Fähigkeiten geschuldet ist. Sein mangelndes Interesse, seine eigentliche Aufgabe als Präsident zu erfüllen und sich den erbarmungslosen Mühen der Politik zu unterziehen, dürfte schon sehr bald offenbar und zum Problem werden. Doch das ist eine andere Angelegenheit. Nur eine Anmerkung noch dazu: Das haben Sektenführer mit Diktatoren gemeinsam: ihre Bedürftigkeit, ihre Sucht nach Bewunderung, ihre Selbstüberhöhung und -überschätzung, ihre Unersättlichkeit, ihre Neigung, sich ihrer Bedeutung über das Anhäufen von Schätzen permanent vergewissern zu müssen, sich mit goldenen Möbeln und mit Menschen zu umgeben, die keine andere Funktion zu erfüllen haben als die Möbel.

Come in!

Ich habe Trumps Pressesprecher Sean Spicer wegen seiner halsstarrigen Lügen als hilflosen Höfling bezeichnet, der verzweifelt das Bild aufrechtzuerhalten und zu verbreiten versucht, das vom Herrscher und für den Herrscher existieren soll. Damit ist das Phänomen aber nur zum Teil erklärt. „Alternative Fakten“ sind keine plumpe Ausrede, es ist geradezu die Funktionsbasis dieser (und jeder) Sekte. Sekten entwickeln eine eigene – und von der Umwelt stark unterschiedene – Interpretation der realen Welt, die natürlich problemlos auch eigene, vollkommen erfundene Realitäten, „Gewissheiten“, Fakten hervorbringt. Die Mitglieder der Sekte nehmen diese, je mehr sie sich mit der „Bewegung“ identifizieren, als real, als Wahrheit wahr.

Come in!

Was von außen hirnverbrannt oder wie eine psychische Erkrankung wirkt, entwickelt aber eine nicht zu unterschätzende Kraft, und zwar nach innen und nach außen. Nach innen verbindet es die Sektenmitglieder zu einem „Kreis der Eingeweihten“, der „Erleuchteten“. Die Tea Party und die Ultrakonservativen werden auch nicht müde, ihre bevorzugte Stellung in Gottes Gunst-Hierarchie zu betonen. Der Himmel selbst habe für Trumps Vereidigung den Regen pausieren lassen, wie Trump zu berichten wusste. Nach außen macht es einerseits unangreifbar und andererseits stark. Jegliche Kritik, alle Argumente, jede Vernunft ist bedeutungslos, unwahr, böswillig, auf die Zerstörung des Sekten-Körpers aus, dem man sich zugehörig fühlt, inkorporiert, denn das ist seine Funktion. Die eigene Unerbittlichkeit und Halsstarrigkeit („Obama ist ein Moslem, Sie können mir so viele Gegenbeweise bringen, wie Sie wollen“, „Diese Inauguration war die mit den meisten Zuschauern in der ganzen Geschichte. Punkt!“) überrumpelt immer wieder jene, die ihren Blick auf das oft genug verwirrende Geschehen in der Realität gerichtet haben und nicht mit derart abwegigen Interpretationen rechnen. Jene, die sie vorbringen, spüren, wie sie durch simples „immer nur weiter so“ Wirkung erzielen. Sie werden tatsächlich immer stärker. Und bekommen Zulauf, auch weil alles so einfach ist. Sie suchen abstruse Umstände und Interpretationen, die sie zugleich abgrenzen und ihnen weitere Stärke verleihen, und sie finden sie.

Come the fuck in!

Wahn und Wunsch werden einfach zur Wirklichkeit erklärt, und jeder, der das nicht mitmacht und auf einer eigenen Wahrnehmung besteht, ist ein Gegner, ja ein Feind. Die Haltung ihm gegenüber ist mit der in dem Buch/Film „Invasion of the Body Snatchers“ vergleichbar. Dort übernehmen Außerirdische die Körper der Menschen, kopieren sie und ersetzen sie endgültig durch emotionslose, gleichgeschaltete, zufriedene und sich zusammen mit den anderen Umgedrehten als eine große Einheit begreifende Exemplare. Begib dich in unsere Art der Wahrnehmung, und du wirst akzeptiert und glücklich, erleuchtet sein, auf der richtigen Seite stehen. Das ist wie in jeder anderen Sekte auch, mit dem Unterschied, dass diese nun vom Machtzentrum der westlichen Welt Besitz ergriffen hat. Sie wird so weiter machen, wie sie angefangen hat, und die Konfrontationen mit der realen Welt werden (hoffentlich) eskalieren.

Press the press

Die Konflikte zwischen der Trump-Administration und der von ihr unabhängigen und nicht zu kontrollierenden Presse und oppositionellen Bürgern, die sich von nun an permanent wiederholen werden, laufen immer auf dasselbe hinaus: Die „unehrlichsten Menschen des Planeten“ (Trump vor der CIA über die Presse) beugen sich (hoffentlich) nicht der Wahrnehmung Trumps und widersprechen. Spicer hat nach dem ersten Auftritt, wo seine „alternativen Fakten“ in der Luft zerrissen wurden, seinen zweiten anpassen müssen, tat das aber nur insofern, dass es diesmal, wie es sich für diese Veranstaltung gehört, Fragen und deren Beantwortung gab. Als er gefragt wurde, ob er vorhabe, die Presse weiterhin zu belügen oder aber die Wahrheit zu sagen, antwortete er, er werde nicht lügen. Aber er werde die Fakten bestimmt öfters „anders interpretieren“ als die Presse. Also wird sich – und kann sich – nichts an der Grundeinstellung und dem Verhältnis dieser Regierung zur Presse ändern. Was sich ändern wird, ist die Zusammensetzung der Korrespondenten im Weißen Haus: Die Regierung hat beschlossen, ultrakonservative und christlich-fundamentalistische Medien in das Pressekorps aufzunehmen, wenn nötig auch über online-Verbindungen in die Konferenzen. Das hatte sich schon dadurch angekündigt, dass Spicer die allerersten Fragen seiner ersten „richtigen“ PK nicht wie üblich an die seriöse AP vergab, sondern an den ultrarechten Propagandasender Fox News. So versammelt man also mehr und mehr Elemente um sich, die NICHT widersprechen, sondern die eigene Wahrnehmung bestätigen, nach innen und außen, die sie verbreiten, vervielfältigen. Man gewinnt dadurch weiter an Stärke. Und wird diese gewonnenen Räume immer weiter ausdehnen.

Finger hoch!

Was gegen diesen weiteren Zuwachs an Stärke und Einfluss helfen könnte, ist, so wie ich das sehe: anhaltender Widerspruch. Sich nicht auf die Umdeutung in Sekten-Wahrnehmung einlassen, niemals. Ai Weiwei reagierte prompt und angemessen: er TWITTERTE seinen Fuck-You-Finger gegen das Weiße Haus gleich nach der Amtseinführung als Immunisierungsappell und-mittel für die onliner. Überheblichkeit, genauso wie Nachlässigkeit sollte dabei aber besser nicht aufkommen, weder bei der Presse, noch bei den Bürgern. In Body Snatchers genügt es, dass die Menschen irgendwann vor Erschöpfung einschlafen, um dann als Umgedrehte wieder zu erwachen.

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