Gold, Trump und das Nichts

Donald Trump ist maßlos, überheblich, egomanisch, dumm, prunksüchtig und skrupellos – der perfekte absolutistische König. Und genau das wäre er auch gern.

Donald Trumps Vater war ein sehr, sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Und ein mieses Schwein von einem Vater. Er war unnahbar, verzieh seinen Kindern nicht den kleinsten „Fehler“ und sowieso war das einzige, das er als Qualität anerkannte, Erfolg. So wie seiner. Nur diesen. Ohne Erfolg: wertlos. Von den tausenden möglichen Eigenschaften und Potenzialen, Interessen und Vorstellungen seiner Kinder/Söhne zählte für ihn nur diese eine, einzige. Er litt demnach unter einer schlimmen und für seine Familie verheerenden Persönlichkeitsstörung. Diese Art Probleme – die von den wenigsten damals als solche angesehen wurden – haben die Eigenschaft, sich weiterzuvererben, nicht genetisch, sondern über die Bedingungen, an die sich die Kinder anpassen müssen, wenn sie von den Eltern anerkannt werden wollen (und welches Kind will das nicht). Das hieß: ALLES in sich begraben, verraten, verdrängen, abwehren, was nicht diesen einen Anspruch erfüllte. Was für eine Perspektive! Trumps älterer Bruder ist ausgestiegen aus diesem üblen Spiel und schlug die Übernahme des väterlichen Geschäfts aus. Donald sprang ein, nachdem in einer Erziehungsanstalt das letzte bisschen eigene Persönlichkeit aus ihm herausgedrillt worden war. Denn er galt vorher als rebellisch, als ungehorsam, was natürlich inakzeptabel war in den Augen eines Vaters wie seinem. Er hatte sich also noch eine Zeitlang gewehrt, da war noch ein Ich gewesen, das natürlich (das ist es nie) nicht so war, wie seine Eltern sich das vorstellten. Nach der „Eliteschule“ jedenfalls war es nicht mehr da. Nur noch kümmerliche Reste des eigenen Charakters, jene, die zur Erfüllung des Auftrages seines Vaters von Nutzen waren. Jene, die man heute von ihm kennt.

Ich (ge)Sucht

Ein Ich ist da nicht zu finden, nicht, wenn man nicht sehr, sehr tief in dieser Person suchte, so tief, dass nicht einmal Trump selbst dorthin gelangt – das allerdings will er ja gar nicht. Denn ein Ich ist die Instanz, aus der sich die Person durch Reflexion speist, permanent. Und Reflexion meint nicht gedankliche Reflexion, sondern psychisch-organische, über die direkte Verbindung der äußerlich handelnden organischen Person mit der eigenen inneren Persönlichkeit. Die reflektiert bei Trump aber nichts, denn sie ist, wie gesagt, weit, weit verbannt, verkümmert, nie entfaltet, irgendwo. Was tun? Er reflektiert sich von außen. Sein Selbst, bzw. das, was er dafür hält, holt sich seinen Wert aus dem „Wertvollsten“ um ihn herum, wiederum permanent. Aus Gold.

Mehr Gold!

Sein Appartment in New York sieht aus wie eine trivialere, aber keineswegs weniger aufwändige Version von Versailles. Gold wohin man blickt. (Natürlich hat Trump das Interieur auch im Internet veröffentlicht – es gibt dort einige Fotos zu finden. Die eindrücklichsten sind allerdings in der PDF-Version des FAZ-Magazins zu sehen.) Die goldenen Wasserhähne in seinem Privatjet sind ebenso legendär. Sie sind nicht das einzige aus Gold in diesem Flieger. Bevor Trump als neuer Präsident auch nur einen Fuß ins Oval Office setzte, musste es umgestaltet werden. Mehr, viel mehr Gold musste dort sichtbar sein. In Verbindung mit ihm. Direkt hinter seinem Schreibtisch hängen nun z.B. „goldene“ statt farbige Vorhänge. Make America great again. Als kürzlich sein Staatsbesuch in London geplant wurde, bestand er entgegen der Bitte des Secret Service darauf, zusammen mit der Queen in ihrer schlecht gepanzerten, aber ausgiebig vergoldeten Pferdekutsche durch London zu fahren.

Golden Shower

Er zeigt sich mit Vorliebe in Verbindung mit Gold, lässt sich abbilden, umgeben von Gold. Er braucht diese Verbindung – weil er keine nach innen hat. (Reflexion als intellektueller Vorgang widerstrebt ihm vollkommen, davon können seine Mitarbeiter ihr Lied singen. Wenn er „nichts zu tun“ hat, schaut er fern: Fox News oder noch Schlimmeres – welche ihm nur das reflektieren, was er kennt.) Es ist Gold, womit er sich identifiziert, und er bezieht es ausschließlich von außen. Das ist sein wahrer „Golden Shower“. Er ist ein Fass ohne Boden. Das hat er jedoch mit fast allen absoluten Herrschern, Autokraten und Despoten gemeinsam. Ludwig der 14., absolutistische Fürsten, der Vatikan und viele Kirchen verschiedenster Religionen, der Kreml, Bokassa, die Prunkvilla Janukovitschs, die gut als Trumps Wochenendhaus durchgegangen wäre, der vergoldete Bilderrahmen um den Flachbildfernseher des Mafia-Bosses … Gold. Seit Urzeiten das universelle Symbol für Göttlichkeit, für Ewigkeit, für Macht und Reichtum. Wenn du es nicht in dir findest, holst du es dir von außen. Der ins Maßlose gesteigerte Wunsch nach Bedeutung. Die permanent notwendige Bestätigung, dem Vaterwunsch gemäß „Erfolg“ zu haben. „Mission accomplished“ – ach nein, das war ja ein anderer Sohn.

Gold kommuniziert natürlich auch nach außen. Du zeigst dich mit Gold. Gold spricht. Politisch spricht es die Sprache der absoluten Herrschaft.

Im Zusammenhang mit Demokratie wirkt Gold daher immer unangemessen, wie ein Relikt aus vordemokratischer Zeit – was es auch ist. Der französische Präsident leiht sich die göttlich-königliche Pracht vergangener Tage, der (aktuelle) russische sieht sich sowieso als absolutistischer Zar. Die Queen, das britische Königtum, ist ganz ausdrücklich die Verbindung des Weltlichen mit dem Göttlichen, sichtbar im Gold der Krone. Demokratisch ist das nur tolerierbar, weil das britische Parlament die Entscheidungen fällt und die Königin ihre „Machtlosigkeit“ nicht infrage stellt. Gold ist ein Zeichen für demokratische Defizite.

Sprache aus dem armseligen despotischen Baukasten

Das Foto von Trump in seinem von Gold überquellenden Appartment in Manhattan zeigt seine traurige Geschichte und seine Persönlichkeit in einem einzigen Augenblick. Ein Mensch ohne eigenes Selbstwertgefühl, der alle Wertschätzung von außen beziehen muss, und zwar ohne Unterlass, immer und immer wieder. Ein fundamentaler Mangel beherrscht ihn in allem, was er tut. Und beherrscht sein Streben. Wenn Trump über sich selbst spricht und das, was er tut und vorhat, macht er das mit einem Vokabular wie aus einem – sehr kleinen – Kartenkästchen gesammelter Stereotype. Nichts als Superlative, Klischees, scheinbar maßlose Übertreibungen und großmäulige Behauptungen (oder auch: Lügen). Was ganz einfach bedeutet, dass er über sich selbst und aus sich selbst heraus nichts aussagen kann. Da ist nichts, auf das er sich wirklich beziehen könnte, kein Selbst, das ihm erkennbar oder erreichbar wäre – obwohl es da ist, irgendwo, verborgen, verrammelt, verMAUERT. Keine Überzeugung, die wirklich irgendwo verankert wäre – nur Ambition. Er wäre nicht der erste Herrscher, der großes Unheil verbreitet, weil er die falschen (und im Grunde sind es immer dieselben unerreichbaren) Ziele hat. Ablesen kann man das auch an dem Gold, mit dem er sich umgibt. Denn er stünde nicht dort inmitten von hohlem Glanz, hätte nicht sein ganzes Leben strebend nach „Gold“ verbracht, wäre da ein wahrhaftiges Ich.

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2 Gedanken zu “Gold, Trump und das Nichts

  1. Michael Wäser 26. August 2017 / 07:07

    Tobias Haberkorn beschreibt auf zeit.de Trumps (nicht überraschend) beunruhigendes Persönlichkeitsprofil als Anti-Rätsel. Zum Trumps Kindheit bzw. seiner Beziehung zu ihr zitiert er seinen Ghostwriter Tony Schwartz: „Tony Schwartz, der bei The Art of the Deal als Ghostwriter tätig war und das heute öffentlich bereut, beschrieb Trump auf dem Höhepunkt des Wahlkampfes als einen Menschen, der deshalb so gefährlich ist, weil er fast nichts von sich selbst weiß. Während des Schreibprozesses habe Trump ihm keine signifikanten Kindheitserinnerungen nennen können, kein Lieblingsbuch, er habe nicht die geringste Einschätzung darüber, was in seinem Leben gut und was schlecht gelaufen sei.“

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