CORONA: Das ist alles – nur nicht das, was es ist.

Warum die Rechte mit der Pandemie nicht klarkommt.

Berlin, Charité, März 2020

Was man nicht alles zugespült bekommt, zusammen mit den unvermeidlichen Nachrichten über die Corona-Pandemie: „Alles eine gigantische Verschwörung“, „Die wahren Ursachen werden wir nie erfahren“, „verdeckter Staatsstreich“ oder gar „Die Epidemie gibt es gar nicht“. Das sind nur einige wenige der kursierenden Meinungen, Videos, Interviews usw. Abenteuerliche Erfindungen, altbekannte Halbwahrheiten, Verdrehungen, Umdeutungen, wie man sie im Prinzip kennt, nur befinden sich viele noch offensichtlicher abseits der greifbaren Realität und der schlichten Einsicht ins Tatsächliche als sonst. Der Übergang zur normalen Diskussion von Meinungen und Sichtweisen in pluralen Gesellschaften ist dabei fließend. Die meisten von ihnen kommen aus und schlagen Wellen besonders im politisch rechten Spektrum. Warum?

System overload

Weil es die Psychohygiene der Rechten überfordert, den Umgang eines Menschen oder einer Gruppe mit seelischen Belastungen. Dazu muss man sich klarmachen, dass Psychohygiene, besser gesagt, die spezielle Art von Psychohygiene der politischen Rechten, ihr wichtigster und fundamentalster Existenzgrund ist: Umgang mit Angst, genauer gesagt: Abwehr von Angst, Verschiebung und Auslagerung von Angst auf das Außen, auf Andere. Dafür, primär, gibt es diese politische Richtung überhaupt, besonders in ihren extremenen Ausprägungen. Von Anfang an befasste sich die extreme und radikale Rechte hauptsächlich mit Schuldzuschreibungen, eigenem Opfermythos/ -status, Bedrohungsszenarien. Alles Methoden, die dazu dienen, eigene Ängste abzuleiten, umzuleiten, zu externalisieren. Darin bestand schon seit jeher und besteht auch heute ihre Attraktivität für bestimmte Menschen und Gruppen. Die „Politik“ dieser Bewegungen und Parteien folgt nicht – und soll das auch gar nicht – primär pragmatischen oder vernünftigen Wegen, und wenn, dann verliert sie ihren eigentlichen Kern, wie z.B. in der Kommunalpolitik, wo es um Bürgersteige geht und wirklich selten um Feinde und Bedrohungen.

Teilen? Wegdrängen!

Nun bricht zum ersten Mal seit wir uns erinnern können (aber durchaus erwartbar) eine weltweite Pandemie aus und versetzt in irgendeiner Weise jeden in Angst. Menschen, die mit Angst auf sozial verträgliche Weise umgehen können, also die meisten, kommunizieren darüber, teilen ihre Gefühle, ihre Verunsicherung, ihre Gedanken, ihre Angst so gut es geht, verhalten sich mehr oder weniger vernünftig in dieser vollkommen ungewohnten Situation – sie versuchen es zumindest.

Wir haben keine Angst! Wir nicht!

Die politische Rechte – besonders sie – dreht am Rad. Sie, unfähig, mit Angst auf diese Weise umzugehen, tut so, als gäbe es keine Pandemie, als sei sie völlig ungefährlich, als müsse man nichts unternehmen – oder s.o. Sie tut ALLES, nur nicht die Angst annehmen, dann das können sie nicht. Deshalb sind sie ja „rechts“. Sie brauchen einen äußeren Feind, dem sie die Angst anhängen können, keinen, der in jedem sitzen kann, egal welcher Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung. (Trump hat es anfangs versucht, den Virus zum „chinesischen/ausländischen“ erklärt, aber da war er doch schon „drinnen“.) Sie müssen sich davon abgrenzen können, aber das geht nicht. Zumindest nicht mit nachvollziehbaren Argumenten. Die Angst innen, das ist für sie unaushaltbar. Weil sie das nicht aushalten können, sind sie ja „rechts“. Rechte Bewegungen sind Angst-Verschiebungsmaschinen. Wenn sie mit Angst umgehen, dann indem sie anderen (ihre) Angst „machen“.

Dann eben erfinden

Ob Donald Trump wie ein Fisch im Netz herumzappelt und der ängstigenden Realität einfach nicht ins Auge zu sehen vermag, ähnlich Boris Johnson, Bolsonaro, Salvini und so weiter. Ähnlich die deutsche AfD, die sich demonstrativ in Bundes-und Landtagen Stuhl neben Stuhl hinsetzt, obwohl Platz wäre für social distancing und von „möglicherweise erfundener“ Pandemie/Gefahr herumgeheimnist. Sie sind unfähig, Angst NICHT zu externalisieren. DAS ist es , was sie von den meisten anderen (mal mehr, mal weniger ausgeprägt), unterscheidet. Auch, wenn das heißt, eine offensichtliche Situation komplett zu leugnen, als lebe man in einer völlig anderen Welt. Ihre „Argumente“ sind in der Tat Beweise. Aber Beweise für ihre eigenen Defizite.

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