Rorschach über dem Altar

Die Richter-Fenster in der Abteikirche Tholey

In seiner Dorfkirche gab es zwei Beichtstühle, erzählt mir mein alter Freund, als ich ihn im Saarland vor meiner Lesung aus „Runxendorf“ besuche. Einen, in dem der „Pastor“ die Beichte abnimmt, und einen, in dem das der „Pater“ erledigt. Der Unterschied zwischen beiden Beichtstühlen war gravierend. Kommt ein Pater nur als „auswärtiger Dienstleister“ vorbei, verrichtet seinen Dienst und reist dann wieder ab, so lebt der Herr Pastor zusammen mit seinen „Schafen“ im Dorf. Für viele war daher der Gedanke unerträglich, ihm, der höchsten moralischen Autorität des Dorfes, immer wieder begegnen zu müssen im Wissen, dass er über alle begangenen „Sünden“ Bescheid weiß, jeden unerlaubten Gedanken, jeden Fehltritt, jeden Seitensprung. Ein echtes Dilemma. Für eben diese Gläubigen war der zweite Beichtstuhl gedacht. Denn ohne diesen würden viele ihre schlimmsten „Sünden“ einfach nicht offenbaren und ohne den Segen, ohne göttliche Vergebung weiterleben müssen. Was in einer Kirche ausgesprochen wird und was nicht, ist also von erheblicher, auch religiöser Bedeutung, und es existiert in (mindestens) zwei getrennten Sphären gleichzeitig.

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Ein Mörder Roman

Mein neuer Roman ist erschienen. „Das Wunder von Runxendorf“ spielt in einem saarländischen Dorf während der Fußball-WM 1974. Erzähler der Geschichte ist ein Mörder.

„Es ist eine wahre Geschichte. So wie ich sie erzähle, genau so ist sie gewesen. Bereit? Na, dann fang ich mal an.“

Aufgewachsen bin ich im Saarland der sechziger, siebziger und achtziger Jahre. Darüber, was das Leben im katholisch-dörflichen Umfeld jener Zeit bedeuten konnte, hatte ich bisher nur schlaglichtartig in wenigen Kurzgeschichten geschrieben. Ich wollte aber auch einmal mit weiterem Blick bestimmte Zusammenhänge darstellen. Dafür fehlte eine größere Erzählung, ein „Plot“, der zuspitzt, aber beispielhaft stehen kann. Also tat ich, was Geschichtenerzähler eben tun: Ich erfand einen.

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Familie Fisch dreht noch ne Runde

Irgendwann würde Hempel fliegen, das wusste Carla ganz genau. Hempel war das allerschönste und liebste Huhn von allen Hühnern der Familie Fisch, fand jedenfalls das Mädchen, und deshalb hatte Carla ihm auch einen Namen gegeben. Sie wusste nicht, ob Hempel ein Hahn oder eine Henne war. „Das kann man bei Hüh­nern erst später erkennen“, sagte Carlas Mutter immer. „Aber fliegen können diese Hühner nicht.“ Wenn man erst viele Wochen nach dem Schlüpfen sehen konnte, ob Hempel eine Henne oder ein Hahn war, warum sollte das Tier irgendwann nicht auch fliegen können?

Ab sofort im Buchhandel

So beginnt „Familie Fisch macht Urlaub“, und Hempel wird in dieser Geschichte noch für eine Menge Wirbel sorgen. Mein Roman über die abenteuerlich-absurde Flucht einer Großfamilie aus der DDR in die BRD unmittelbar vor der Abriegelung des 13. August 1961 erschien erstmals im 50. Jahr nach dem Mauerbau. Nun, im 30. Jahr nach dem Mauerfall, kehrt er zurück in einer wunderschönen Neuausgabe beim Verlag Axel Dielmann, Frankfurt, der bereits „In uns ist Licht“ allerschönst ans Licht der Welt gebracht hat. Ab sofort können Sie das Buch überall im Handel bestellen, auch als e-Book.

Premiere in Moabit:
Die Neuausgabe feiert ihre öffentliche Premiere bei einer Lesung der Reihe „Literatur in Zeiten des Wandels“ vom Autorenkreis der Bundesrepublik. Am 29. Oktober um 19.30 Uhr lese ich aus „Familie Fisch“ und „In uns ist Licht“ und freue mich besonders auf meine geschätze Kollegin Sabine Lange, die u.a. aus ihrem bewegenden Roman „Schlüsselbund“ liest. Der ist eigentlich vergriffen, aber dort können Sie noch Exemplare ergattern, natürlich auch meine eigenen Romane.

Rätselhafte Bilder aus der Vergangenheit

lichtEs ist soweit: Mein neuer Roman ist erschienen. Es hat ein Weilchen gedauert, aber mit dem Verlag Axel Dielmann aus Frankfurt und seinem engagierten Verleger kamen am Ende die Richtigen zusammen: Autor, Manuskript, Verlag – Roman.

Worum geht es in „In uns ist Licht“?

Es geht um ein geheimes Liebespaar im 19. Jahrhundert, einen Mord und um drei Menschen der Gegenwart, die seine Spuren verfolgen und sich ungeahnten Herausforderungen stellen müssen. Es geht um Paris und Berlin. Es geht um Bilder aus Porzellan. Es geht um das Verlangen nach Würde und Freiheit und um seine Unterdrückung. Es geht um Liebende, Künstler und Neugierige, um Aufklärung und Ernüchterung.

Der Verlag schreibt dazu:
„Die Wucht des Verliebtseins, die Härten der Heimatlosigkeit, die Macht von Freundschaften und Empathie sind Michael Wäsers große Themen – er berührt mit seinem Erzählen, weil er die Gefährdung all dessen ständig ergreifend mit erzählt.“

Der Roman ist als wunderschöne, fadengeheftete Hardcover-Ausgabe von 280 Seiten mit Lesebändchen überall im Buchhandel erhältlich (Mein Tipp: unterstützen Sie Ihre lokale Buchhandlung oder bestellen Sie autorenfreundlich online hier , Preis: 20 Euro.

Lesung in Moabit

Ich habe Jörg Sader bei Veranstaltungen des Autorenkreises der Bundesrepublik kennengelernt, dem er seit Langem vorsitzt. Diesem Verein und seinen Kooperationspartnern, oft die Deutsche Gesellschaft, ist immer an politischem, genauer, demokratisch-republikanischem Engagement gelegen, an der Diskussion aktueller und historischer Fragen der deutschen Politik und Kultur. Zum ersten Mal nun treffen wir auch „einfach nur“ als Autoren zusammen, verstärkt durch unseren Kollegen Axel Barner. Darauf bin ich sehr gespannt und darf versichern, dass Sie es auch sein sollten! Markieren Sie sich also den Termin im Kalender, eine wunderschöne location im attraktivsten Teil von Moabit gibt es außerdem dazu.

SCHRITTE – Neue Literatur in die Cafès!

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So wird sie aussehen, so wird sie (wieder) heißen

Sie können dabei sein, wenn ein einst phänomenal weit verbreitetes Literatur-Zeitschriftsprojekt wieder aufersteht: Der Frankfurter Axel Dielmann Verlag hat eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um die „Schritte“ wieder erscheinen zu lassen, eine Literaturzeitschrift im Zeitungsdesign für Cafés im ganzen Bundesgebiet. Mit kleinen oder größeren Beträgen können Sie das Projekt noch bis zum 15. Februar unterstützen und dabei sogar hochinteressante Belohnungen bekommen – Schritte-Ausgaben von früher, Bücher, Abos und vieles mehr. Crowdfunding heißt: jeder kleinste Betrag (ab 5 Euro) ist willkommen, es darf aber auch mehr sein, denn so ein Projekt ist nicht mit links zu stemmen, und die künftigen AutorInnen haben auch was davon!

Folgen Sie folgendem link und folgen dann ganz ihren Interessen: