American Gods: Migranten wie wir

„American Gods“ ist eine US-amerikanische Streaming-Serie, die in Deutschland bei amazon gezeigt wird.

Journal angelegt am 19.12.2017 Seite 2

Eine Rotte kampf- und wettergegerbter Wickinger landet nach einer langen, entbehrungsreichen Fahrt an einem unbekannten Strand. Als sie sich aufs Landesinnere zubewegen, um es in Besitz zu nehmen, wird einer von ihnen unvermittelt aus eben dieser Richtung Ziel von schätzungsweise hundert fast gleichzeitig in ihn eindringender Pfeile. Noch bevor er tot zu Boden geht, sieht er aus wie ein zu groß geratenes Stachelschwein. So beginnt American Gods, und das Land, das sich hier noch eindrucksvoll gegen Invasoren zu wehren weiß, ist „Amerika“. Nun aber beginnt das zweite Wort des Titels seine Bedeutung zu fordern. Denn die ungebetenen Gäste sehen ein, dass sie weder willkommen sind, noch eine Chance haben, die Hausherren im Kampf zu überwinden. Doch vom Strand kommen sie nicht weg, ihr Schiff bräuchte dazu Wind in den Segeln – der sich ums Verrecken nicht regt, Tag um Tag um Tag. Was tut man in einer ausweglos scheinenden Situation? Na klar: Man wendet sich vertrauensvoll an die zuständige Gottheit. Weiterlesen

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In der Falle

Gestern setzte ich mich noch einmal an einen Text, den ich schon vor einigen Wochen begonnen und dann unfertig liegengelassen hatte. Die Ereignisse von Paris brachten die darin angesprochene Problematik nun, wieder einmal und diesmal besonders, nahe. Ich kam aber auch jetzt nicht soweit, dass ich den Text „fertig“ nennen könnte. Heute las ich dann diesen Kommentar, der sich mit einer ähnlichen Frage befasst. Er stellt auch die Frage nach dem „warum“, seine Wortwahl im letzten Abschnitt finde ich unglücklich, aber er richtet den Blick auf dasselbe Thema wie mein Text. Über die Frage geht er jedoch nicht hinaus. Ich stelle in meinem Text eine Hypothese zu möglichen Antworten auf. Ich glaube nicht, dass ich den Text jemals „fertig“ bekomme, das muss er auch nicht sein. Er soll zur Diskussion, zur Auseinandersetzung beitragen, und das dürfte er tun können.

Mit dem Veränderungsprozess des Islam, der in der Tat im Gang ist, beschäftigt sich auch dieser Artikel.
Hier also meine Überlegungen zu Fragen religiös motivierter Gewalt:

In der Falle

Immer wieder, immer wieder und wie es scheint unvermeidlich, fällt in Interviews, Schriften, Erklärungen und Berichten zu religiös motivierten Gewalttaten, Massakern und Völkermorden und ihren Hervorbringern die Formulierung des „wahren Glaubens“, des „wahren Korans“ oder ähnliches. Weiterlesen

Der zweite Bund


Beschneidung, Trauma und Tabu. Ein Beitrag zur Debatte um das Kölner Urteil.

Trauma (v. griech. τραύμα ‚Wunde‘)

Die rituelle Beschneidung von Jungen oder Mädchen ist eine vor Jahrtausenden entstandene Prozedur mit dem Zweck, das beschnittene Kind in die Gemeinschaft aufzunehmen und es gleichzeitig an die Gemeinschaft zu binden. Es klingt paradox, aber dieser und andere Riten, bei denen Kindern oder Jugendlichen, seltener auch Erwachsenen, schmerzhafte und bleibende Verletzungen beigebracht werden, scheinen dem Zusammenhalt der Gruppe nicht zu schaden, sondern ihn zu festigen. Warum ist das so? Und warum wollen z.B. Juden und Moslems diesen riskanten und umstrittenen Brauch, der den „Bund mit Gott“ besiegelt, nicht der heutigen, stärkeren Berücksichtigung von Kinder – und Menschenrechten zumindest anpassen? Dieser Beitrag versucht, eine Antwort zu finden, allerdings nicht auf dem Gebiet der religiösen Tradition, sondern der Psychologie des Menschen.

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