Riesen

Wir streiften ohne Ziel umher. Es war ein Nachmittag, vielleicht ein Samstag oder Sonntag, vielleicht auch ein Ferientag. Die Wiesen am Hügel über unserer Siedlung glänzten satt vom Aprilregen, noch immer schwebten hingesprühte Tröpfchen durch die Luft. Bei jedem Schritt sanken unsere Gummistiefel unter unseren sechsjährigen, koboldleichten Körpern tief ins nasse Gras. In der Nähe unserer Grundschule fing uns ein feines Geräusch ein wie mit einem unsichtbaren Cowboylasso und wir ließen uns fesseln. Wir blieben stehen, folgten dem Geräusch, schauten zu Boden. Um unsere Stiefel floss die Wiese. Aus der Flanke des Hügels drückte das Wasser wie aus einem vollgesogenen Schwamm. Zahllose Rinnsale gluckerten durch das Gras den sanften Hang hinunter zu einem Ablaufgraben, in dem wir in den Schulpausen manchmal spielten, denn er grenzte direkt an den Schulhof der Sankt-Martin-Grundschule. An einigen Stellen des Abhangs lag die Erde frei und das Wasser hatte bereits Rinnen in den weichen Boden gespült. Ein großer, offener Flecken, nicht so abschüssig wie die Wiese seitlich von ihm, hatte eine Menge dieses Wassers gesammelt, das Erdreich dort war mit dem Regen eine verheißungsvolle Verbindung eingegangen. Keine einzige Fußspur sahen wir darin, weit und breit kein Mensch außer uns, die Schule verlassen. Der schlammige Pfuhl lag unberührt zu unseren Füßen. Wir sahen gleich, dass da noch mehr Wasser hin konnte. Wir mussten es nur geschickt vom Hang ins Schlammloch hinein leiten. Wir mussten Kanäle bauen und Dämme, viele Dämme und viele Kanäle. Also gingen wir, mein bester Freund und ich, an die Arbeit. Weiterlesen

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