In der Falle

Gestern setzte ich mich noch einmal an einen Text, den ich schon vor einigen Wochen begonnen und dann unfertig liegengelassen hatte. Die Ereignisse von Paris brachten die darin angesprochene Problematik nun, wieder einmal und diesmal besonders, nahe. Ich kam aber auch jetzt nicht soweit, dass ich den Text „fertig“ nennen könnte. Heute las ich dann diesen Kommentar, der sich mit einer ähnlichen Frage befasst. Er stellt auch die Frage nach dem „warum“, seine Wortwahl im letzten Abschnitt finde ich unglücklich, aber er richtet den Blick auf dasselbe Thema wie mein Text. Über die Frage geht er jedoch nicht hinaus. Ich stelle in meinem Text eine Hypothese zu möglichen Antworten auf. Ich glaube nicht, dass ich den Text jemals „fertig“ bekomme, das muss er auch nicht sein. Er soll zur Diskussion, zur Auseinandersetzung beitragen, und das dürfte er tun können.

Mit dem Veränderungsprozess des Islam, der in der Tat im Gang ist, beschäftigt sich auch dieser Artikel.
Hier also meine Überlegungen zu Fragen religiös motivierter Gewalt:

In der Falle

Immer wieder, immer wieder und wie es scheint unvermeidlich, fällt in Interviews, Schriften, Erklärungen und Berichten zu religiös motivierten Gewalttaten, Massakern und Völkermorden und ihren Hervorbringern die Formulierung des „wahren Glaubens“, des „wahren Korans“ oder ähnliches. Weiterlesen

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„République“ – Auszug aus unveröffentlichtem Romankapitel

(Erzähler ist ein Pressefotograf, der sich zum ersten Mal in Europa aufhält.)
“ … Auf einem mächtigen, weißen Sockel reckte die bronzene Statue ihren Arm in die Höhe, einen Zweig in der Hand, vermutlich einen Ölzweig, ein Friedenszeichen. Nach der Métro-Station zu urteilen war dies „die Republik“, und rund um den steinernen Sockel befanden sich weitere Frauenfiguren, diese aber in Stein gehauen, und über ihnen stand in den Sockel gemeißelt, wofür sie ihre weibliche Gestalt zur Verfügung stellten: LIBERTÉ, EGALITÉ und FRATERNITÉ. Zu Füßen von ihnen allen stolzierte ein grimmig dreinblickender, bronzener Löwe vor der Säule, dessen Bedeutung ich nicht herausfand. Hinter ihm stand die Jahreszahl „1789“ in den Sockel gemeißelt, also vielleicht war er eine Allegorie auf die große Revolution. Rund um den Sockel, unterhalb der Frauenfiguren, waren rechteckige Bronzereliefs mit eher historischen als allegorischen Szenen eingelassen, jedes mit einer zugehörigen Jahreszahl versehen. Das waren wohl die Geburtstage der Republik, insgesamt zwölf an der Zahl, vom 20. Juni 1789 bis zum 14. Juli 1880. Eine schwere Geburt, dachte ich. Immer wieder musste sie von Neuem geboren werden. Diesen hier hatte man also ein Denkmal gesetzt, als man wohl nicht glaubte, dass sie noch weitere Geschwisterchen bekommen würden – oder besser gesagt, Nachfolgerinnen. Welche Revolution ist schon mit einem Mal getan? Und was ist „getan“, in Kairo, in Tunis, in Kiew und wo überall noch? Hier vor mir war es selbst mit zwölf Mal nicht getan. Die Tafel direkt zu Füßen der großen Statue, sie trug eine Inschrift, die ich mit „Menschenrechte“ übersetzen konnte. Die stammten, das wusste ich, noch von ihrer ersten Geburt, und sie gehörten wohl seitdem dazu. Vielleicht war sie auch bloß durch mehrere Kindheitsphasen gegangen, mehrere Pubertäten, Adoleszenzen und so weiter. …“

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Charliberté

 

Die Geschichte vom kleinen Drehbuh auf dem Schlampenstern


stern.de, 12.10.2011, 09.05 Uhr
USA warnen vor Terrorangriffen
„… Auch wenn sich der Plan wie ein Drehbuh für einen Hollywoodfilm liest, wären die Folgen sehr real gewesen und viele Menschen hätten ihr Leben verloren“, sagte FBI-Direktor Robert Mueller.“

Ein kleiner Drehbuh ging einmal hinaus in die Welt und wollte etwas anderes beginnen, als tagein, tagaus in Hollywoodfilmen aufzutreten. Das konnte man ihm schwerlich verübeln, denn der Drehbuh hatte ein gar eintöniges Leben! Von morgens bis abends, und nicht selten auch des Nachts, musste er in Filme aus dem großen und mächtigen Land Amerika hinein und braven oder bösen, kleinen oder großen, dummen oder schlauen Leute einen Schrecken einjagen. Wie der Drehbuh das machte, das kannst Du Dir sicher selbst denken, denn warum hieß der arme Drehbuh wohl Drehbuh? Doch auch wenn niemand im ganzen Land das, was der kleine Drehbuh konnte, ebenso gut oder sogar besser konnte, wurde es ihm bald sehr fad, unentwegt nur das Immergleiche zu tun. Es musste doch etwas Besseres für ihn geben, das fühlte er schon, seit er auf der Welt war. Aber wann war das eigentlich gewesen? Weiterlesen

Hallo, Vulkano-Terrorist_innen!


Also, diese Kabelbrandaktion nördlich von Berlin gestern seht Ihr ja als Erfolg. Hat geklappt. Bahnstrecke lahmgelegt, ein paar Tausend Leute springen wie Rumpelstilzchen im Dreieck, weil irgendwelche Arschlöcher Lust hatten, sie daran zu hindern, zu tun, was sie tun wollten/mussten/durften und das auch geschafft haben. War auch bestimmt eine aufregende Sache für Euch. Man riskiert ja einiges. Unter anderem, dass wegen so ’ner Aktion Leute draufgehen. Da braucht man gute Nerven. Und weil Ihr das natürlich nicht zum Spaß durchgezogen habt, musste natürlich eine öffentliche Erklärung folgen. Eine Erklärung, warum Ihr das echt unbedingt habt durchziehen müssen. Und die habt Ihr dann auch veröffentlicht, und ich hab sie gelesen. Leider – ich weiß, das werdet Ihr nicht so gut finden, aber Ihr schreibt ja selbst, dass Ihr keine Zustimmung „erheischen“ wollt – ist es nun so: besser, Ihr hättet diese Erklärung für Euch behalten.    Weiterlesen