Ausflug in die grafische Satire

ingenieurBevor ich die Zielgerade zur Veröffentlichung meines „Salvatore“-Romans erreiche, habe ich mir einen lange gehegten Wunsch erfüllt. „Unser Leben“, Walter Womackas riesiges Mosaik am „Haus des Lehrers“ beim Berliner Alexanderplatz beeindruckte mich außer mit seiner Größe und Fülle immer mit seiner Mischung aus Dekoration, Illustration, Kunst und Propaganda. Was mich allerdings seit über zehn Jahren reizte, waren die Kraft und das gedämpfte Pathos seiner Figuren. Mit dieser Ästhetik (und auch etlichen von Womacka abgeleiteten Figuren) wollte ich unbedingt einmal von heute erzählen, von der Gegenwart des modernen Berlin.Lange Zeit blieb es eine fixe Idee, teils aus mangelnder Gelegenheit, vor allem aber aus mangelnder Kenntnis, wie ich es computer-grafisch und inhaltlich konkret realisieren könnte. Dann, mit dem beginnenden Jahr 2015, fügte sich seltsam rasch alles zueinander und ich hatte alle Programme, Handhabungen und erste Ideen zur Umsetzung beisammen – ich ging es an. Es sollte eine Eulenspiegelei per Internet werden; dafür würde es mit seinen 43 Figuren und unterschiedlichen Tableaus zwar ein bisschen aufwändig sein, aber ich hab es ja nicht anders gewollt! Außerdem bietet die Website den Besuchern die Gelegenheit, sich mit einem bedeutenden zeitgenössischen Künstler bekannt zu machen: Tyrz Kongo, Schöpfer des „berlin mosaik“ und einiger anderer unvergesslicher Werke!

Ganz ohne „Literatur“ blieb aber auch dieses Projekt nicht. Die Wechselwirkung der Bilder mit den Texten der Website eröffnete eine weitere Dimension. Denn wo Womackas Bild einer sozialistischen Idylle aus heutiger Sicht die Wirklichkeit der DDR zu ignorieren schien (Womacka nannte seinen Ansatz später selbst „naiv“ – zu seiner Entstehungszeit war die Diskrepanz aber längst nicht so offensichtlich), ignorieren die Texte der Website gezielt das Offensichtliche in den Mosaiken: Neusprech, wie man es heutzutage in jeder Pressekonferenz zu hören und in Hochglanzprospekten zu lesen bekommt. Als ich diesen Sommer dann die Entscheidung traf, meinen Roman im September definitiv zu veröffentlichen, wusste ich, dass ich die Mosaiken und die dazugehörige Website vorher vom Hals haben musste. Glücklicherweise klappte das auch, und nun ist sie online, die Website berlin mosaik.
Viel Spaß also beim virtuellen Rundgang um das „Haus des Lehrers“ von 2015!

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