Trotzdem, oder: The Eddy

Eine Serie über einen Jazz-Club, ohne Filmmusik. Musik machen hier nur die Musiker*innen, die man sehen kann, und die Stadt, in der alles spielt: Paris. Und es ist nicht das Postkartenparis und auch keine romantische Musik, ganz und gar nicht. Was außergewöhnlich ist für eine amerikanische Produktion. Dieses Paris ist das extrem beengte, nervige, beunruhigend vitale, arme, raue, brutale Straßenparis und die Musik ist die der allgegenwärtigen Baustellen, überlaufenen Bahnhöfe, klapprigen Metros, der Seitenstraßen und Banlieues voller schreiender Motorroller, jaulender Polizeisirenen, unentrinnbarem Geplapper auf den Straßen und Plätzen, Fluglärm von oben und Bassdröhnen aus dem Souterrain. Ein kraftraubender Ort, einer, dem man gewachsen sein muss – aber wer ist das schon?

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CORONA: Das ist alles – nur nicht das, was es ist.

Warum die Rechte mit der Pandemie nicht klarkommt.

Berlin, Charité, März 2020

Was man nicht alles zugespült bekommt, zusammen mit den unvermeidlichen Nachrichten über die Corona-Pandemie: „Alles eine gigantische Verschwörung“, „Die wahren Ursachen werden wir nie erfahren“, „verdeckter Staatsstreich“ oder gar „Die Epidemie gibt es gar nicht“. Das sind nur einige wenige der kursierenden Meinungen, Videos, Interviews usw. Abenteuerliche Erfindungen, altbekannte Halbwahrheiten, Verdrehungen, Umdeutungen, wie man sie im Prinzip kennt, nur befinden sich viele noch offensichtlicher abseits der greifbaren Realität und der schlichten Einsicht ins Tatsächliche als sonst. Der Übergang zur normalen Diskussion von Meinungen und Sichtweisen in pluralen Gesellschaften ist dabei fließend. Die meisten von ihnen kommen aus und schlagen Wellen besonders im politisch rechten Spektrum. Warum?

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Die ersten 37 Minuten heute

März 2020

Ich habe meine Bettdecke mit der linken Hand berührt, sie zurückgeschlagen und mich aufgesetzt, als der Wecker und das Smartphone piepten. Dabei habe ich das Bettlaken mit der rechten Hand berührt.

Ich habe mit der rechten Hand den Schalter meiner Nachttischlampe berührt und sie angeschaltet.

Ich habe meine Brille auf dem Nachttisch mit der rechten Hand berührt, sie genommen und aufgesetzt.

Ich habe die Aus-Taste meines Weckers mit dem rechten Zeigefinger berührt, um den Weckton auszuschalten.

Ich habe mein Smartphone mit der rechten Hand berührt, es genommen und das Display mit dem linken Zeigefinger berührt, um den Weckton und den Flugmodus auszuschalten.

Danach habe ich das Smartphone mit der rechten Hand auf mein Kopfkissen fallen lassen, ohne das Kopfkissen mit der Hand zu berühren.

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Am Neuen See

Eine Begegnung – Gedichte

Da treffen sich 2 ­Autoren, genauer gesagt: eine Autorin und ein Autor, in losem Ab­stand am Neuen See in Berlin – sie betrachten die Landschaft zwischen Großem Stern und Landwehrkanal, die ein Zwischenstadium angenommen hat, halb Naturwuchs, halb Parkanlage. Diese Betrachtungen sind ihnen die Grundlage für je zwei Gedichte, welche die beiden nach jedem Besuch schreiben. Und darüber zieht sich anderes in ihre Beobachtungen, von da aus in ihre Gedicht-Paare … Ein Stadt- und Geschichtsbild in 24 Doppel-Gedichten und ein sehr besonderer Lyrik-Parcours.“ (dielmann)

Selten war ich so stolz auf ein neues Buch – und ich bin immer stolz auf ein neues Buch -, selten so geehrt, denn dieses darf ich mit einer wahren Lyrikerin teilen: Inka Bach. Mein bisher ausführlichster Ausflug in die Lyrik, daher bin ich um so dankbarer, dass all dies in kreativem Austausch mit dieser wunderbaren Schriftstellerin geschehen konnte. Unser Verleger Axel Dielmann sorgte außerdem für eine ideenreiche, wunderschöne Umsetzung in Papier, Faden und Druckerschwärze. Ja, Faden, denn alle Bändchen der 16er-Reihe bei dielmann werden wie alte Schulhefte von einem Bindfaden zusammengehalten, sonst nichts. Ein „Handschmeichler“, sagt man im Verlag dazu, mit vollem Recht. Ab sofort ist der Gedichtzyklus zu bekommen.

  • 32 Seiten
  • von Hand fadengeheftet
  • in Schulheftbindung
  • mit zwei Fotographien von Michael Wäser
  • ISBN 978-3-86638-275-6
  • 9,- €

Was uns kenianische Paviane über Jahrtausende der Gewalt zwischen Menschen sagen können

Wie viel Pavian steckt im Menschen? Man muss in der Hierarchie der biologischen Systematik ziemlich weit nach unten scrollen, um auf die Stelle zu stoßen, ab der unsere Gemeinsamkeiten enden: die Teilordnung „Altweltaffe“. Paviane und Menschen sind beides Altweltaffen. Weiter unten in der Systematik kommen nur noch zwei Obergruppen, „Familie“ und „Gattung“, die bei Pavianen anders lauten als bei uns. Doch die vorangestellten gemeinsamen Zugehörigkeiten und die daraus ersehbare Jahrmilliarden dauernde gemeinsame – nein, identische – Evolutionsgeschichte lassen schon erahnen, dass uns mehr verbindet, als dass wir an verschiedenen Ecken derselben Straße wohnen.

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Für Klaus T.

November 2019: Theweleits „Männerphantasien“ erscheinen derzeit in Neuausgabe. Ich erfuhr davon über ein Interview, während ich an der obigen Grafik arbeitete, und es gab den Ausschlag zur Endfassung meiner Arbeit. Sie greift Kampfrufe deutscher und US-amerikanischer Neonazis auf. Ich bitte jeden: Lesen Sie „Männerphantasien“!

Familie Fisch dreht noch ne Runde

Irgendwann würde Hempel fliegen, das wusste Carla ganz genau. Hempel war das allerschönste und liebste Huhn von allen Hühnern der Familie Fisch, fand jedenfalls das Mädchen, und deshalb hatte Carla ihm auch einen Namen gegeben. Sie wusste nicht, ob Hempel ein Hahn oder eine Henne war. „Das kann man bei Hüh­nern erst später erkennen“, sagte Carlas Mutter immer. „Aber fliegen können diese Hühner nicht.“ Wenn man erst viele Wochen nach dem Schlüpfen sehen konnte, ob Hempel eine Henne oder ein Hahn war, warum sollte das Tier irgendwann nicht auch fliegen können?

Ab sofort im Buchhandel

So beginnt „Familie Fisch macht Urlaub“, und Hempel wird in dieser Geschichte noch für eine Menge Wirbel sorgen. Mein Roman über die abenteuerlich-absurde Flucht einer Großfamilie aus der DDR in die BRD unmittelbar vor der Abriegelung des 13. August 1961 erschien erstmals im 50. Jahr nach dem Mauerbau. Nun, im 30. Jahr nach dem Mauerfall, kehrt er zurück in einer wunderschönen Neuausgabe beim Verlag Axel Dielmann, Frankfurt, der bereits „In uns ist Licht“ allerschönst ans Licht der Welt gebracht hat. Ab sofort können Sie das Buch überall im Handel bestellen, auch als e-Book.

Premiere in Moabit:
Die Neuausgabe feiert ihre öffentliche Premiere bei einer Lesung der Reihe „Literatur in Zeiten des Wandels“ vom Autorenkreis der Bundesrepublik. Am 29. Oktober um 19.30 Uhr lese ich aus „Familie Fisch“ und „In uns ist Licht“ und freue mich besonders auf meine geschätze Kollegin Sabine Lange, die u.a. aus ihrem bewegenden Roman „Schlüsselbund“ liest. Der ist eigentlich vergriffen, aber dort können Sie noch Exemplare ergattern, natürlich auch meine eigenen Romane.