Rorschach über dem Altar

Die Richter-Fenster in der Abteikirche Tholey

In seiner Dorfkirche gab es zwei Beichtstühle, erzählt mir mein alter Freund, als ich ihn im Saarland vor meiner Lesung aus „Runxendorf“ besuche. Einen, in dem der „Pastor“ die Beichte abnimmt, und einen, in dem das der „Pater“ erledigt. Der Unterschied zwischen beiden Beichtstühlen war gravierend. Kommt ein Pater nur als „auswärtiger Dienstleister“ vorbei, verrichtet seinen Dienst und reist dann wieder ab, so lebt der Herr Pastor zusammen mit seinen „Schafen“ im Dorf. Für viele war daher der Gedanke unerträglich, ihm, der höchsten moralischen Autorität des Dorfes, immer wieder begegnen zu müssen im Wissen, dass er über alle begangenen „Sünden“ Bescheid weiß, jeden unerlaubten Gedanken, jeden Fehltritt, jeden Seitensprung. Ein echtes Dilemma. Für eben diese Gläubigen war der zweite Beichtstuhl gedacht. Denn ohne diesen würden viele ihre schlimmsten „Sünden“ einfach nicht offenbaren und ohne den Segen, ohne göttliche Vergebung weiterleben müssen. Was in einer Kirche ausgesprochen wird und was nicht, ist also von erheblicher, auch religiöser Bedeutung, und es existiert in (mindestens) zwei getrennten Sphären gleichzeitig.

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Am Neuen See

Eine Begegnung – Gedichte

Da treffen sich 2 ­Autoren, genauer gesagt: eine Autorin und ein Autor, in losem Ab­stand am Neuen See in Berlin – sie betrachten die Landschaft zwischen Großem Stern und Landwehrkanal, die ein Zwischenstadium angenommen hat, halb Naturwuchs, halb Parkanlage. Diese Betrachtungen sind ihnen die Grundlage für je zwei Gedichte, welche die beiden nach jedem Besuch schreiben. Und darüber zieht sich anderes in ihre Beobachtungen, von da aus in ihre Gedicht-Paare … Ein Stadt- und Geschichtsbild in 24 Doppel-Gedichten und ein sehr besonderer Lyrik-Parcours.“ (dielmann)

Selten war ich so stolz auf ein neues Buch – und ich bin immer stolz auf ein neues Buch -, selten so geehrt, denn dieses darf ich mit einer wahren Lyrikerin teilen: Inka Bach. Mein bisher ausführlichster Ausflug in die Lyrik, daher bin ich um so dankbarer, dass all dies in kreativem Austausch mit dieser wunderbaren Schriftstellerin geschehen konnte. Unser Verleger Axel Dielmann sorgte außerdem für eine ideenreiche, wunderschöne Umsetzung in Papier, Faden und Druckerschwärze. Ja, Faden, denn alle Bändchen der 16er-Reihe bei dielmann werden wie alte Schulhefte von einem Bindfaden zusammengehalten, sonst nichts. Ein „Handschmeichler“, sagt man im Verlag dazu, mit vollem Recht. Ab sofort ist der Gedichtzyklus zu bekommen.

  • 32 Seiten
  • von Hand fadengeheftet
  • in Schulheftbindung
  • mit zwei Fotographien von Michael Wäser
  • ISBN 978-3-86638-275-6
  • 9,- €