Menschenfreundlichkeit aus der Rechnerfarm

Ratatouille, WALL.E, Toy Story, Findet Nemo, Monster AG, Merida und Oben sind eine humanistische Bibliothek für kleine und große Menschen.

Nein, ich habe nicht alle Pixar-Filme gesehen, aber bis auf die letzten drei, vier fast alle. Was je nach Standpunkt auffällig oder verdächtig ist, denn schon als der erste Pixar-Kinofilm erschien (Toy Story, 1995), war ich lange kein Kind mehr. Mein eigenes Kind erschien zwar im selben Jahr, doch bis ich mit ihm zusammen ins Kino ging, dauerte es noch mindestens bis zu Toy Story 2 (1999) oder Die Monster AG (2001). Und wenige Pixar-Filme später war die Zeit der gemeinsamen Besuche im Kinderkino auch schon wieder vorbei. Cars war wohl der letzte Pixar-Film, den wir zusammen ansahen. Ich habe mir die Filme also meistens ohne kindliche Begleitung (oder Rechtfertigung) angesehen, teils im Kino, teils auf DVD oder im Fernsehen.

Für viele sind die Animationsfilme aus dem Pixar-Studio Kinderfilme, für die meisten eher Familienfilme. Für mich sind sie – nicht alle, aber fast alle – große, humanistische Kunst. Und bewundernswertes, erfinderisches Erzählerhandwerk. Weiterlesen

Brief an meine Vermieter (ja, ein echter Brief)

Ich wohne im vermutlich letzten unsanierten Haus in der Schwedter Straße südlich des Mauerparks, Berlin, Prenzlauer Berg. Momentan wird es von den Eigentümern „energetisch modernisiert“. Das Haus ist „eine Baustelle“ – so sieht es aus, stimmt aber nicht. Denn es wohnen, auch wenn die meisten Mieter vor den Unannehmlichkeiten geflohen sind und ihre günstigen Wohnungen aufgegeben haben, noch immer Menschen darin, und auf Baustellen darf bekanntlich niemand wohnen, das ist aus gutem Grund verboten.  Es ist also ein Mietshaus, in dem Modernisierungsarbeiten durchgeführt werden. Doch ich musste immer wieder, zuletzt heute, feststellen, dass der feine Unterschied kaum interessiert. Dass sogar die eigene Wohnung lebensgefährlich werden kann. Deshalb habe ich heute einen recht hilflosen Brief an meine Hausverwalter und Bauherren geschrieben, den ich hier veröffentliche – weil mir wirklich nichts anderes mehr einfällt, wie ich meine Wohnung wieder sicher machen könnte:

An die Hausverwaltung Klingebiel & Howe, Berlin, für das in Modernisierung befindliche Haus Schwedter Straße 50, Berlin, Prenzlauer Berg: Weiterlesen

Unsagbares muss man eben schreiben

Eine autobiografische Geschichte.
Beitrag für die „REINGELESEN“-BLOGPARADE

DSCF7528-001Zwei Jungs auf dem Land, Freunde, beste Freunde, vielleicht sieben, acht, neun Jahre alt. Wir verbrachten viel Zeit damit, über die Wiesen, Felder und Viehweiden zu streunen, weit und breit kein Anderer, kein Erwachsener, keine Aufsicht. Nur die Freiheit, zu tun, wonach uns gerade der Sinn stand. Was erlaubt war und was nicht, meist blieb es Vermutung.

In einem Sommer stand uns der Sinn danach, Milchkühe durch ihre Koppel zu treiben. Das hatte irgendjemand schon mal gemacht, wir hatten davon gehört. Diese riesigen Geschöpfe ließen sich von uns kleinen Kerlen wegtreiben? Die Kuhweide lag direkt vor uns. Niemand sonst zu sehen außer Kühen. Wir vermuteten stark: Das war wohl nicht erlaubt, Kühe treiben.

Die Tiere ließen sich tatsächlich von uns über die Weide scheuchen. Hin und her trieben wir sie, wir mussten gar nicht viel tun, und unsere anfängliche Angst vor den Kolossen wich einem köstlichen Gefühl von Stärke – und Unachtsamkeit. Weiterlesen

Hiromi. Eine Hymne auf das Ungestüm

Während eines Interviews für den Hersteller ihres wichtigsten Werkzeugs macht Hiromi Uehara, als sie über klassische Musik spricht, mit beiden Armen eine weit ausladende Geste. Die klassischen Komponisten seien es, welche das Klavier in seinen ganzen Möglichkeiten ausschöpften. Diese Geste ist es, die nun ihre eigene Musik auszeichnet – sie will alles, will sich von nichts einschränken lassen, nicht von geschmacklichen, traditionellen, technischen und schon gar nicht spieltechnischen Grenzen. Sie will das ganze Sprektrum des musikalischen Ausdrucks ausschöpfen in aller Breite und seiner ganzen Tiefe, es sogar noch ausweiten ins Unbekannte. Und zwar in beinahe jedem ihrer Stücke, immer, alles. Weiterlesen

Schreiben gegen Rechts – die Blogparade FÜR Toleranz + Vielfalt

Anna Schmdts „Blogparade“ zum Thema „Schreiben gegen rechts“ ist abgeschlossen, ich habe mich auch mit einem Beitrag daran beteiligt. 81 Blogbeiträge hat sie in einem ebook und einem PDF zusammengefasst, das dort frei zum Download steht, ich verlinke es auch noch einmal separat hier auf der Seite. Danke, Anna, für deine Initiative und die umfangreiche, interessante Sammlung!
Michael Wäser

Bunt und farbenfroh ...

annaschmidt-berlin.com_schreiben-gegen-rechts-2

Die Zusammenfassung

Angefangen hat alles aus Ärger und Angst. Ärger über Nachrichten aus der aktuellen Tagespolitik, über Intoleranz, über politische Strömungen, die dem Gedanken unseres Grundgesetzes zuwider laufen und über das historische Vergessen in unserer Geschichte. Angst vor Entwicklungen, die wir nicht mehr aufhalten können, wenn wir nicht rechtzeitig einschreiten. Angst vor offensichtlich immer stärker werdenden rechten Tendenzen in unserem Land. Angst vor Extremismus völlig gleich aus welcher Richtung. Es waren andere Nachrichten, die ich lesen und andere Stimmen, die ich hören wollte. Besonders aber wollte ich nicht, dass wieder einmal zu viele still sind und so unabsichtlich Tendenzen fördern, die niemandem in diesem Land gut tun können. Ich wollte etwas tun und nicht still sein – so entstand die Idee der „Blogparade gegen Rechts“. Ende Februar schrieb ich meinen Aufruf, veröffentlichte ihn in meinem Blog und bangte anfänglich, ob das wohl etwas werden würde. Es wurde … wurde so…

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Die Begleitung des Rauchers

Wir sind der Ursprung des Lebens. Fernab aller Störung, umgeben von Wasser, umschwirren wir die aufsteigende Wärme des Erdinneren: schwarzen Rauch im Ozean, in der Dunkelheit der Tiefe.

Wir sind nicht gewesen, und sind jetzt. Die Begleitung sind wir und bleiben wir. Aus uns erwuchs alles. Und doch bleiben wir, wo wir sind. Wir ließen Leben hinaus, zum Licht, zum Land, überall hin. Ohne Absicht.

Wir sind folgerichtig schon länger hier, als andere irgendwoanders sind. Niemand außer uns ist fähig, hier zu sein. Unser Leben ist nicht das der anderen, irgendwo anders als hier.

Neuerdings haben auch wir, selten, so gut wie niemals, Begleiter. Maschinen, gebaut von Organismen, die aus uns erwachsen sind. Sie kehren zurück zum Ursprungsort.

Sie schicken Licht in den Rauch, der kein Licht hindurch lässt. Sie sehen uns nicht. Sie nehmen uns mit, zusammen mit Schwefel und Rauch und Ozeanwasser. Ans Licht. Und sehen uns. Und staunen.

Wir staunen nicht.

(© Michael Wäser, 2016)