Vom Krieg und von der Liebe (long version)

Ab 24. 9. als E-Book und Paperback

Mein neuer Roman ist bald da. (Kaufen Sie ihn!) Schon bei seiner Entstehung erhielt er eine besondere Auszeichnung. Weshalb er trotzdem per „self-publishing“ und nicht in einem Verlag herauskommt? Ich bin Schriftsteller, also erzähle ich’s Ihnen:

Noch bevor mein Debütroman „Familie Fisch macht Urlaub“ in einem kleinen Münchner Verlag erschien, dachte ich über das nächste Projekt nach. Da ich nicht zu den Autoren gehöre, die in einem Jahr drei Romane schreiben, sondern eher umgekehrt, ist das keine unbedeutende Frage. Mehrere Ideen hatte ich vorgemerkt. Ich wählte die Geschichte eines Einzelgängers, der mitten im Krieg berühmt wird und sich verliebt. Der Krieg, um den es geht, ist ein „frozen conflict“ der extravaganten Sorte. Schauplatz ist ein fiktives Land voller Fanatiker, das Setting etwas retro und etwas utopisch, der Ton ebenso satirisch wie ernst.

Stipendium – UND WAS FÜR EINS!

Ich entwickelte einen ausführlichen Entwurf und reichte ihn für ein Stipendium beim Deutschen Literaturfonds ein. Er wurde akzeptiert. Auch wenn es nicht meine erste Förderzusage war, überraschte mich das, denn dieses Stipendium bekommen meist nur anerkanntere Autoren und, wie es eine sehr geschätzte Kollegin ausdrückte, „Hochkaräter“. Doch befand diese bedeutende Institution mein Projekt für förderungswürdig. Ich machte mich an die Arbeit, der Roman wurde ein fester Mitbewohner (allerdings einer, über den man nach der ersten Euphorie des Zusammenlebens nachts auf dem Klo bei laufendem Wasserhahn ins Telefon flüstert, dass er nicht alle Tassen im Schrank hat). Als das Manuskript fertig war, löste sich der Verlag, bei dem mein erster Roman erschienen war und der auch Interesse an diesem gehabt hatte, auf.

Bitteres Lob, Part one

Ich suchte eine Agentur. Viele musste ich nicht anfragen. „Salvatore“ überzeugte offenbar. Eine große Berliner Agentur schrieb mir, der Roman „… ist sprachlich und dramaturgisch über jeden Zweifel erhaben und zudem mit einem großartigen Humor durchsetzt. Die Lektüre macht einfach riesigen Spaß. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass eine virtuose Stilistik nur die eine Seite der Medaille ist, die andere, vielleicht noch ein wenig entscheidendere, ist die Thematik. In diesem Punkt, so unsere Einschätzung, wird es der Text bei den großen deutschen Publikumsverlagen schwer haben.“ Die Absage musste ich hinnehmen, das Kompliment nahm ich gern mit. Eine andere renommierte Agentur nahm den Roman an. Mein Agent glaubte und glaubt noch immer an den Roman. Er ist kein Freund großer Worte (obwohl er Literaturagent ist!) und weiß, dass nicht alles, was ihn überzeugt, automatisch von größeren Verlagen genommen wird. Übernimmt er aber die Vertretung eines Manuskripts, ist das wie eine Investition seinerseits, denn er bekommt nur im Erfolgsfall ein Honorar. Er vertritt rund 60 teils sehr bekannte Autoren. Mein „Salvatore-Roman“ entwickle beim Lesen einen enormen Sog, findet er. Trotzdem gelang es ihm nicht, einen nicht zu kleinen Verlag dafür zu finden – was womöglich tatsächlich am Thema lag.

Bitteres Lob, reloaded

Über einen Verlag zu veröffentlichen, hat für einen hauptberuflichen Autor einige Vorteile. Neben den üblichen Leistungen eines Verlages gehört dazu auch die Anerkennung durch eigentlich alle Institutionen und Gremien wie den Literaturfonds, die Self-Publishern verwehrt bleibt. Öffentliche Stipendien und Literaturpreise? Nicht für Self-Publisher. Ganz ohne  öffentliche Förderung ist es aber nahezu unmöglich, als belletristischer Autor zu existieren, denn von Verkaufstantiemen allein können nur die wenigsten Schriftsteller leben. Deshalb versuchte ich, als der Vertrag mit meinem Agenten auslief, das Buch auch bei kleineren Verlagen anzubieten und hörte Dinge wie: „Dieser Verlag macht prinzipiell nur Bücher mit maximal 250 Seiten“, die grotesk klingen, für die es aber sicher vernünftige Gründe gibt. Mein Buch hat einiges über 300 Seiten. Für einen Roman nicht viel, aber mehr als 250. Ein ziemlich angesagter, für unkonventionelle Literatur bekannter Verlag forderte nach dem „Teaser“ das Manuskript an: „Die Idee, die Ihrem Roman zugrunde liegt, klingt sehr interessant und auch der Erzählstil macht Lust, mehr davon zu lesen.“ Ich schickte ihnen den ganzen Text, nach einigen Wochen meldeten sie sich: „Ihre Geschichte überzeugt mit einer starken Idee, die spannend umgesetzt ist. Die Mischung zwischen Ernsthaftigkeit und Humor verleiht Ihrem Roman einen ganz eigenen Ton. Erfrischend neu und anschaulich erzählt, zieht einen die Handlung schnell in den Bann. Leider passt Ihr Manuskript jedoch aufgrund der Thematik und der angesprochenen Zielgruppe unseres Erachtens nach nicht in unser Programm.“ Ein weiterer Verlag, Spezialist für anspruchsvolle Phantastik, zeigte sich „durchaus interessiert“, nimmt aber bis auf weiteres keine neuen Projekte mehr ins Programm. Irgendwann fanden so viele Fachleute den Roman hochinteressant und spannend, dass man allein für sie schon eine ansehnliche Auflage drucken könnte. Gut, das war sarkastisch, aber nicht ganz aus der Luft gegriffen.

covers
durchgefallene Cover-Entwürfe
Selber machen

All das zog sich über mehrere Jahre hin. (Mittlerweile habe ich bereits meinen nächsten Roman abgeschlossen. Er ist zugleich Flüchtlingsgeschichte, zeitgenössischer Kriminalroman und historischer Briefroman.) Doch was sollte aus dem Kriegs-Roman werden? Der Entschluss „Ich veröffentliche ihn selbst“ ist weniger leicht zu fällen als es in Zeiten des „selfpublishing“ per Internet, E-Book und print-on-demand scheint. Man muss, genau wie bei einer Verlagsveröffentlichung, wissen, worauf man sich einlässt. Man verzichtet auf etwas und man gewinnt etwas. Außerdem geht man als hauptberuflicher Autor ein nicht zu unterschätzendes Risiko ein. Aber der Reihe nach: Mein Ziel ist ein möglichst professionelles Buch. Unter „möglichst professionell“ verstehe ich, dass alles so gemacht ist, dass es, zumindest für Nicht-Fachleute oder Normalleser, auch bei einem Verlag erschienen sein könnte. Das ist aber leichter gesagt als getan. Auf ein klassisches Lektorat, wie es ein guter Verlag stets vornimmt, musste ich mangels Budget verzichten. Dass Geschichte und Sprache insgesamt funktionieren, wusste ich ja bereits, für die Details achtete ich nun auf Hinweise von Testlesern, die keine Laien sind. Gründliches Korrekturlesen musste sein (wer das hauptberuflich macht, hat meine unumschränkte Bewunderung), mehrere Cover-Entwürfe und Überarbeitungen von Cover-Entwürfen ebenso (zum Glück habe ich mit Grafik und Buchdesign etwas Erfahrung), einen begründeten Auswahlprozess dafür hinbekommen, ein ordentliches Buch-Layout für den Text festlegen, einen Klappentext formulieren, Überlegungen zur Werbestrategie anstellen, für Taschenbuch und e-Book. Für jede einzelne dieser wichtigen Aufgaben gibt es Fachleute. Ein guter Verlag leistet sich diese Fachleute, ein Self Publisher nur selten, und das merkt man vielen Werken aus der SP-Szene trotz fortschreitender Professionalisierung auch an. Ich jedenfalls musste alle diese Aufgaben selbst übernehmen. Der Klappentext meines Romans lautet u.a.:

Ausschnitt aus dem Klappentext
Finish – ein Pionier

Die Auswahl der Anbieter für e-book (neobooks) und Taschenbuch hatte ebenfalls bedacht und entschieden zu werden. Nach etwas Hin und Her wählte ich einen Print-Anbieter (BoD), der im Buchhandel besser eingebunden, aber für meine Konstellation teurer ist als andere. Bei einem Verkaufspreis unter zehn Euro bleibt mir so ein Honorar, das nur etwa dem einer Verlagsausgabe entspricht. Ich könnte den Preis zwar höher ansetzen (ein Vorteil beim Self-Publishing), da ich für das Buch aber bereits ein Stipendium bekommen habe, ist mir Verbreitung wichtiger als Marge. (Ein Mindesthonorar wie bei einem Verlag gibt es natürlich nicht.) Kurios genug: Wahrscheinlich ist es der erste vom Deutschen Literaturfonds geförderte Roman, der per self-publishing erscheint! Ich bin ein Pionier! Aber: Mein Vorgehen könnte sich bei meinem neuesten Roman, dem dritten, schädlich auf die Verlagssuche auswirken. Dieses nicht zu unterschätzende Risiko gehe ich ein. Self Publisher gelten vielen in der Verlagsbranche als „verbrannt“. Sie bekommen oft keine Angebote mehr von Verlagen. Das beginnt sich langsam zu ändern, manche Verlage haben schon eine andere Haltung dazu. Wie auch immer, ich mag nicht noch länger warten. Auch wenn ein guter Verlag viel zur Qualität und zur Vermarktung eines Buches beitragen kann – selbst bestimmen zu können, ist auch nicht zu verachten. Hätte ich den Roman lieber bei einem (guten) Verlag herausgebracht? Aber ja! Muss ich mich dafür schämen, dass das nicht gelungen ist? Nein, sage ich mir, nein! (Und hilft es, mir das immer wieder selbst zu sagen? Fragen Sie mich morgen nochmal.)

Womit ich nicht rechnete: Auf den letzten Metern vor der Veröffentlichung traten mir mit dem Magazin „der selfpublisher“ und der Marketingabteilung von neobooks unerwartet Mitspieler aus der Branche zur Seite, die meinem Roman und seiner Entstehungsgeschichte weit mehr Öffentlichkeit verschaffen, als ich es allein könnte, z. B. auf der bevorstehenden Buchmesse in Frankfurt – ein großes Glück für mich und vielleicht eine echte Chance für Salvatore. Ich finde, er hat sie verdient. (Update 30. September: Auch BoD wird „Salvatore“ auf der Buchmesse zeigen. Merci bien!)

Auf dem ganzen Weg haben mir Freunde und Kollegen mehr geholfen, als sie vielleicht glauben. Dafür bin ich ihnen zutiefst dankbar und habe sie alle namentlich in meiner Danksagung im Buch gewürdigt. Das Wesentliche bleibt natürlich: der Roman. Die Geschichte. Die Sprache. Die Auseinandersetzung, zu der er herausfordert. Das Vergnügen, das er bereitet, die Emotionen, die er auslöst.

Was Sie selbst tun können

Nun steht er also vor der Tür, der Roman. Und obwohl er bereits einiges hinter sich hat – seine Geschichte fängt jetzt erst richtig an: mit Ihnen. Wenn Sie meinen, der Roman verdient es und mehr Menschen sollten ihn kennen, hier einige Vorschläge, was Sie tun können:

  • Kaufen und lesen Sie das Buch.
  • Reden Sie darüber.
  • Verschenken Sie weitere Exemplare
  • empfehlen Sie das Buch weiter, persönlich und online
  • Teilen Sie diesen Blog-Beitrag in Ihren Online-Netzwerken.
  • Reden Sie darüber.
  • Schreiben Sie hier einen Kommentar oder auf meiner facebook-Autorenseite
  • Schreiben Sie eine kurze Rezension auf den Seiten der Verkaufsplattformen.
  • Wenn Sie auf Leserplattformen aktiv sind (z.B. Lovelybooks), teilen Sie dort Ihre Empfehlung, diskutieren Sie das Buch mit anderen.
  • Wenn Sie eine Lesung organisieren oder anregen möchten, nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf. Und:
  • Weisen Sie ihren Buchhändler auf den Roman hin.
  • Reden Sie darüber.

Ich wünsche Ihnen spannende, anregende und herausfordernde Stunden mit meinem Roman. Herzlichen Dank, M. Wäser


Zur Orientierung: Meine Romane unterscheiden sich in Thema und Form stark voneinander. „Salvatore“ könnte Sie besonders interessieren, wenn Sie auch mit folgenden Werken/Autoren/Filmen etwas anfangen können: Der abenteuerliche Simplicissimus, Per Anhalter durch die Galaxis, 1984, Schöne neue Welt, Clockwork Orange, American Psycho, Catch 22, Mohrenwäsche, So, Fight Club, Unendlicher Spaß, Die Enden der Parabel, V., Bleeding Edge, Naked, Der Circle, Limit, Die Orangen des Präsidenten, Kafka am Strand, 1Q84, Sirius / Douglas Adams, Norbert Zähringer, Thomas Pynchon, Walter Moers, David Sedaris, Tom Sharpe, Bret Easton Ellis, David Foster Wallace, Haruki Murakami, Vladimir Sorokin / Brazil, 1941, Die Simpsons, American Dad, Little Britain, Iron Sky, Willkommen Mr. Chance, Inglorious Basterds, Das Leben des Brian, Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben, Starship Troopers, Bananas, Zelig, Grand Budapest Hotel.


u.a. Hier können Sie den Roman ab 24. Sept.  bestellen:

e-book (ISBN: 978-3-7380-3761-6), 4,49 €:
ebook.de | thalia.de | Hugendubel |amazon

Paperback 328 S. (ISBN: 978-3-7386-2264-5), 9,95 €:
Bestellen Sie im neuen Autoren-Onlineshop – wie üblich versandkostenfrei, die Autoren erhalten aber einen größeren Anteil am Erlös: Autorenwelt-Shop
oder hier:
amazon | thalia.de | buecher.de | Buch.de | Hugendubel und natürlich in Ihrem Buchladen. (Machen Sie Ihren Buchhändler auf den Roman aufmerksam!)

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2 Gedanken zu “Vom Krieg und von der Liebe (long version)

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